#31: Ein Leben lang in Bethel | Diakonisse Schwester Elisabeth
Shownotes
Seit 79 Jahren gehört Schwester Elisabeth zur Sarepta-Schwesternschaft in Bethel. 1946 kam sie als 18-Jährige mit dem Zug nach Bielefeld und somit nach Bethel. Im Gespräch mit Moderator Philipp Katzmann erzählt sie von ihrem Weg als Diakonisse, von ersten Begegnungen mit schwerstbehinderten Kindern, vom Leben in der Tracht und von Nächten, in denen sie als Stationsleitung im Haus Gilead I auf der Station wohnte. Mit beeindruckender Klarheit blickt die 97-Jährige auf ein Leben zwischen Berufung, Bescheidenheit, Erfüllung und Beharrlichkeit zurück – und erklärt, warum sie bis heute als Küsterin aktiv ist. Eine Folge voller Geschichte, Humor und tiefer Dankbarkeit.
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00:00:03:
00:00:11: Heute zu Gast im Podcast, ist.
00:00:15: Schwester Elisabeth Christiani, herzlich willkommen.
00:00:19: Ich freue mich sehr, dass du da bist.
00:00:22: Ich ahne, dass das eine besondere Folge wird, weil wir die große Freude haben, dass du als Diakonisse heute zu Gast bist.
00:00:32: Und das nicht als irgendeine Diakonisse, sondern als eine, die schon sehr, sehr lange in Betel ist.
00:00:39: Nämlich sage und schreibe neunundsiebzig Jahre.
00:00:43: Das ist richtig, oder?
00:00:44: Seit nineteenhundertsechsundvierzig.
00:00:47: Und da warst du ... Knappe, achtzehn Jahre.
00:00:50: Nein,
00:00:50: gerade achtzehn.
00:00:52: Ja.
00:00:52: Achtzehn musste man sein, wenn man nach ... Vorher wurde man von Sarah da nicht genommen.
00:00:59: Ja.
00:01:00: Und das ... Bevor wir in deinem Leben und deine Zeit im Betel eintauchen, habe ich so in Vorbereitung auf das Gespräch gedacht, das ist ja schon etwas ganz Besonderes, weil man eine Diakonisse ja vielleicht so oder ich mit den Stichwurden von Bescheidenheit, Demutverbinde.
00:01:17: Und das ist das bei dir auch ohne Frage, aber auf der anderen Seite ist es auch ein bisschen in den Zahlen ein Leben der Superlative.
00:01:32: Du hast vierzig Jahre als Krankenschwester selbst im Haus gearbeitet und bist in diesem Jahr zweiunddreißig Jahre pensioniert und ehrenamtlich bei uns tätig als Küsterin.
00:01:44: Ich hab mit den Zahlen gar nicht gewusst, wo ich zuerst anfange.
00:01:46: Wie fühlt sich das denn eigentlich alles so an, jetzt, wenn du mit siebenundneunzig einmal auf den ersten Abschnitt deines Lebens zurückblickst?
00:01:55: Ja, der erste Abschnitt, ich bin in einem ... christlichen Elternhaus aufgewachsen, auf dem tiefsten Dorf.
00:02:04: Wir gehören zum Kreis Minn-Lübbeke, Friede Weide, schöner Name für das Dorf.
00:02:11: Und von Betel hatte man nur, kannte man Dr.
00:02:17: Willmanns.
00:02:18: Wenn jemand sehr krank war bei uns auf dem Dorf, dann fuhren die nach Betel zu Dr.
00:02:26: Willmanns.
00:02:27: Der operierte.
00:02:28: Das waren So der erste Operateur auch in gelehrt.
00:02:34: Das war ja auch zu der Zeit, muss ich mal unterbrechen, noch ein relativ junges Krankenhaus.
00:02:37: Das ist ja erst neunzehntonundertreizehn gekündigt.
00:02:39: Natürlich.
00:02:41: Ja, aber Wedel kannte man, auch auf dem tiefsten Dorf.
00:02:46: Und ja, ich hatte eigentlich so, ging zum Kirchenkorr und auch ... bei in der Jugendarbeit ein bisschen mit im Dorf.
00:02:59: Und dann bekamen wir einen Pastor, der kam aus der Uckermark.
00:03:04: Damals kamen ja die Flüchtlinge aus dem Osten auch nach Festfalen hin.
00:03:11: Und unser Pastor war gefallen aus der Gemeinde in Stalingrad.
00:03:18: Und der ... Neue, der nun kam der Pastor, mit dem hatte ich eigentlich gleich einen guten Rat zu dem.
00:03:26: Und der sagte eines Tages, ich hatte viele Gespräche mit ihm gehabt, ich könnte mir vorstellen, dass du mal Diakonisse würdest.
00:03:37: Ich sag, was ist das denn?
00:03:40: Ja, und so fing das an und er hat dann auch die Verbindung hier nach Sarepta hergestellt.
00:03:50: Das war dann auch meine erste Bahnfahrt mit meiner Mutter und dem Pastor.
00:03:58: Ja, nach Bede.
00:03:59: War schon was Besonderes.
00:04:02: Ja, und dann wurde ich...
00:04:04: Bist du hier geblieben?
00:04:06: Nicht gleich geblieben.
00:04:07: Nein, ich musste ja erst achtzehn sein.
00:04:11: Und dann bin ich aber am zweiten Oktober, sechsundvierzig, haben meine Eltern... mich hier nach Wethel gebracht.
00:04:25: Ich hatte noch zwei, ein drei Jahre jüngeren Bruder und einer, der fünfzehn Jahre jünger war.
00:04:35: Und die beiden Jungs, die blieben nun zu Hause.
00:04:39: Und ich war dann weg.
00:04:43: Und dass dieses Nachtsarepta kommen, Es war eine ganz schlechte Zeit.
00:04:51: Es gab nur zugeteilte Essen und zu kaufen eigentlich so gut wie gar nicht gesund.
00:05:00: Aber so die Ordnungen, die vorher in Sarrepta galt, wurden schon auch sehr eingehalten.
00:05:11: Man musste auch vorzeigen, was man mitzuglingen hatte.
00:05:17: Wäsche und, und, und.
00:05:20: Und ich hatte von einer, das ist jetzt zum Nehmen her, einer Patentante, ein Nachthemd mit gehäkelter Spitze hatte, die sich wirklich vom Herzen gerissen mir mitgegeben.
00:05:35: Als ich das hinlichte, wurde geguckt und gesagt, das geht aber nicht.
00:05:40: Die Spitze muss ab.
00:05:43: Ich sag, nähen kann ich nicht.
00:05:45: Da helfen wir ihn bei.
00:05:47: Fertig.
00:05:48: Ah ja,
00:05:49: dann wurde gelernt.
00:05:52: Ich merke, das ist alles so faszinierend, wenn ich das so höre in einer Mischung aus einer großen Ehrfurcht vor diesem Weg.
00:06:01: Hab mich gerade noch mal so gefragt, ist es so ein Weg gewesen, der sich für dich auch aus der Situation der damaligen weltpolitischen Lage ergeben hat, zu sagen, in diesem ganzen Chaos des Zweiten Weltkrieges und des ersten Jahres danach als achtzienjährige, das ist jetzt erstmal ein Ort, wo ich sein kann und wo ich eine gewisse Sicherheit habe und Orientierung.
00:06:22: und oder ist es gewesen, die Eltern haben gesagt und der Pastor, da stellen wir dich vor, was ist eigentlich dein Wunsch dabei gewesen?
00:06:28: Hast du gemerkt, das ist was, was mich fasziniert?
00:06:30: Wie gesagt, ich bin auf dem tiefsten Dorfer aufgewachsen.
00:06:34: Und auf den Höfen, die Jungs, so mein Bruder auch, die wurden dann zum Gymnasium geschickt nach Minden.
00:06:46: Und da musste man ja erst mal hinkommen.
00:06:48: Da fuhr kein Bus und so.
00:06:52: Aber die Mädchen, für die Mädchen war das nicht so gültig.
00:06:56: Die konnten ja heiraten.
00:07:00: Wenn ich das so beobachtete auf den Höfen, wie das denn hinterher aussah mit dem Wegheiraten und so, da dachte ich, nee, das kann da ins Nichtsein, ne?
00:07:13: Also war der Weg nach Sarepta und das ist jetzt... Und
00:07:17: dann kam eben dieser Pastor aus der Uckermark, zu dem ich gleich einen guten Draht hatte und der sagte dann eines Tages, er konnte sich vorstellen, weil ich schon das Bedürfnis hatte, irgendwie zu helfen auch.
00:07:36: Und der hat dann eben, ja, so das dann gemacht, dass ich dann hier eine Vorstellung hatte in Sarrepta, vor mit meiner Mutter.
00:07:47: Ich glaub, das war meine erste Bahnfahrt überhaupt.
00:07:52: Und dann hieß es ja, aber achtzehn müsste ich erst sein.
00:07:58: Und jetzt hast du dich ja, und das müssen wir mal ein bisschen vertiefen, für die Menschen, die uns hören, und Sarepta jetzt gar nicht so kennen.
00:08:03: Sarepta ist eine Schwesternschaft, in der du jetzt so lange bist, die aus dem Jahr die Achtundnachtneunzehnte in Betel gegründet wurde, also zwei Jahre nachdem Betel überhaupt gegründet wurde und geht zurück auf die schöne Geschichte, dass es hier in Bielefeld den Likörf-Fabrikanten Gottfried Bansi gab.
00:08:20: Und er hatte erlebt, dass seine schwerkranke Frau von den Diakonissen der Kaiserswerter Diakonie gepflegt wurde und er sagte, so was müsstest du hier auf?
00:08:28: Und hat dann, wenn ich das so richtig verstanden und nochmal nachgelesen habe, dafür gesorgt, dass es eine ähnliche Gemeinschaft gibt.
00:08:35: Ja, Gottfried
00:08:35: Bonzi war also schon ein wesentlicher Name
00:08:40: auch.
00:08:40: Ja.
00:08:41: Und jetzt hast du dich ja als dann, als Achtzehniering in diesem Weg auch im Beobachten, naja, was ist mein, könnte mein Weg als junge Frau auf dem Dorf sein?
00:08:51: Das sehe ich eher nicht so.
00:08:53: Für den Weg der Sarretta-Schwestern schafft mit den Stichwurten genossenschaftliches Leben Ehelosigkeit und Tracht entschieden.
00:09:02: Jetzt ist meine Tochter, meine Älteste, heute achtzehn Jahre alt.
00:09:05: Wie erklärst du heute einer achtzehnjährigen, für welches Leben du dich da entschieden hast?
00:09:09: Was ist daraus für dich geworden?
00:09:13: Da gab es nicht viel zu erklären.
00:09:16: Und da wurde auch gar nicht viel erklärt.
00:09:19: Und ich hatte auch keine Ahnung, was hier in Betel überhaupt stattfand oder was es gab.
00:09:29: Ich bin einfach auch gutgläubig mit dem Pastor, der sagte, ich glaube, das ist was für dich.
00:09:37: Und dem vertraute ich und ihm auch, dass ich dachte, ja, wenn das der Weg Gottes mit dir ist.
00:09:48: Dann machst du das.
00:09:49: Und was hast du denn für dich entdeckt im Betel?
00:09:53: Wo ist denn der Punkt gewesen?
00:09:55: Irgendwann ist die Gutgläubigkeit und dem Vertrauen, dass das ein guter Weg ist, auch den eigenen Erfahrungen gewichen.
00:10:04: Als ich hier eingetreten bin, kam ich in ein Haus mit schwerst behinderten Kindern.
00:10:14: Das war für mich ... eine neue Welt.
00:10:17: Ich hatte so was noch nie gesehen, denn im Dritten Reich wurden die ja entweder versteckt oder vorher umgebracht.
00:10:26: Und dann kam ich in ein Haus, steht noch, alt WVG heißt das, da waren schwerstbehinderte Kinder und Diakonissen, die die betreuten.
00:10:42: Und ich kam da Als Probeschwester hieß man dann hin, hatte solche Kinder nie gesehen.
00:10:52: Das war für mich eine total neue Welt.
00:10:56: Aber ich muss bis heute sagen, ich hatte wirklich ganz tolle Mitschwestern, die sich um mich gekümmert haben, die mir geholfen haben, diese Welt zu verstehen.
00:11:12: auch zu lernen, mit diesem Kindern etwas zu machen zu können, mit denen zu spielen oder mit denen zu reden.
00:11:24: Die verstanden ja kaum etwas, weil sie die waren wirklich alle schwerstbehindert.
00:11:30: Aber und das war für mich erstmal auch eine ganz neue Welt.
00:11:36: Und da arbeitete man im ersten Jahr.
00:11:40: Das war die Anfangsprobezeit.
00:11:44: Die Bewerbungszeit.
00:11:46: Sozusagen.
00:11:48: Und die hast du ja aber so für dich auch, also gar nicht für jetzt im Blick auch von den anderen auf dich, nach dem Motto, ja, die Elisabeth, die macht das schon ganz gut, sondern für dich auch zu sagen, das ist mein Weg, den kann ich gut weitergehen.
00:11:59: Ja, und da habe ich eben gemerkt, dass ich ... dass mir das helfen schon wichtig war.
00:12:07: Und ich bin eben nicht gekommen, um Krankenschwester zu werden.
00:12:12: Dass ich dann nachher.
00:12:14: nun, dass Gilead mein Zuhause wurde, das hat sich so ergeben.
00:12:18: Wie
00:12:18: kam es dazu, dass Gilead dein Zuhause wurde?
00:12:22: Weil das Mutterhaus, weißt du, es war so, man sagte nicht, ich habe mir vorgestellt, ich könnte da mal arbeiten oder so.
00:12:33: War nicht.
00:12:34: Man wurde ins Mutterhaus bestellt und da saßen kompetente Leute und dann hieß es, wir haben gedacht, Sie gehen jetzt dahin.
00:12:50: Ja, und dann ging man dahin.
00:12:52: Und gab es, ich muss mal ein bisschen neugierig fragen, gab es manchmal in diesem Station deines langen Lebens auch so ein... inneren Widerstand, der gesagt hat, ah, Leute.
00:13:04: Später habe ich im OP gearbeitet, im gynäkologischen.
00:13:09: Und ja, es ging ja auch, Gilead war ja so, die Hochburg der Diakonissen und alles, was Leitungsaufgaben hatte, waren Diakonissen.
00:13:24: Und da hatte ich wirklich eine erste OP-Schwester.
00:13:29: die mir manchen Tag schon sehr schwer gemacht hat.
00:13:32: Und da, dann kam natürlich so Fragen, war das überhaupt jetzt richtig, was du gemacht hast oder so.
00:13:42: Aber ich muss, hab dann auch meinem Gott vertraut und gesagt, er hat dich jetzt hier hingeschickt und du wärst das hier schon aushalten.
00:13:53: Ist das das Grundverständnis, was ich an dieser Stelle höre, was glaube und an dieser Stelle?
00:13:59: Dein Dienst auch ist, da wo du hingestellt bist, gehst du nur diesem Auftrag nach.
00:14:07: Jetzt haben wir schon gehört, und das will ich auch nochmal ganz kurz sagen, für die Hörerinnen und Hörer, die Betel gar nicht so kennen, dass das Bild der Pflege und in der Verwaltung in den ersten Jahren, seit neunzehntenhundertzehnten Jahr, maßgeblich geprägt war durch die Diakonissen, der Sarepta-Schwestern schafft eben auch in dieser typischen Tracht mit Haube.
00:14:25: Das war das Bild eben auch.
00:14:27: Dadurch zeichnete sich auch unser Haus ein ganzes Stück aus bis weit in die... Also du hast ja selber bis nineteen neunzehntneinzig gearbeitet, aber dann hat die ja schon die Pflege auch in anderen Bereichen einzugehalten.
00:14:38: Also das war ja längst ein professionellisierter Beruf.
00:14:41: Aber das gehört noch mal dazu ganz wichtig.
00:14:43: Und du hast mal erzählt, da habe ich mich dran erinnert, du hast noch auf Stationen mit gewohnt.
00:14:48: Ja, das war so.
00:14:49: Wenn man eine Station übertragen bekam als Stationsleitung, dann schlief man da auf.
00:14:55: Völlig verrückte Geschichte.
00:14:56: Das müssen wir ein bisschen vertiefen, weil es kann sich heute kein Mensch mehr vorstellen.
00:15:00: Nein, das stimmt.
00:15:02: Ich habe vor einiger Zeit Musik vor, sollte ich vor den grünen Damen, habe ich da was erzählt.
00:15:08: Und dann habe ich das auch so gesagt.
00:15:11: Ich sage, ja, und das war ganz einfach.
00:15:13: Man schlief neben der T-Küche auf der Station.
00:15:17: Nach einer ganzen Zeit sagt jemand und wo hatten sie ihre richtige Wohnung?
00:15:23: Ja, das war es.
00:15:27: Aber war das denn auch so, dass du automatisch der Nachtdienst warst?
00:15:30: Also war da noch anderes
00:15:31: Personen?
00:15:31: Nein, eine Nachtwache gab es.
00:15:34: Aber heute gibt es ja dann noch eine Hauptwache, die dann so durchs Haus geht und schaut, ob alles ... Das gab es zu der Zeit nicht.
00:15:44: Wenn die Nachtwache auf der ... Station Probleme hatte, denn kam die Nacht ins Zimmer der Stationsleitung und fragte, dem geht es nicht so gut, was soll ich da machen?
00:15:58: Und das konnte manche Nacht passieren.
00:16:01: Ja, aber so mit Arbeitszeitgesetz und so weiter, das war nicht alles ganz konform, würde ich sagen, nach heutigen Maß.
00:16:06: Nein, davon war überhaupt nicht die Rede.
00:16:11: Man arbeitete, man hatte am Tage In der Regel zwei Stunden, drei Stunden.
00:16:18: Und zu unterschiedlichen Zeiten.
00:16:21: Als Stationsschwester meistens in der Mittagszeit ging man dann zwei Stunden ins Zimmer.
00:16:27: Und das war denn, und sonst war man von morgens sechs bis abends acht auf Station.
00:16:34: So einfach war das.
00:16:36: Und gab es trotzdem in dieser Zeit so was wie, wenn es Freizeit gab, wie sah die aus?
00:16:41: Also diese zwei Stunden gut am Tag, aber hast du auch mal Urlaub gemacht?
00:16:45: Doch, Urlaub darf es regelmäßig und ich bin zwanzig Jahre ... immer zu meinen Eltern gefahren, weil ich dachte, das bin ich ihnen schuldig, wenn ich schon weggegangen bin.
00:16:59: Und das war auch immer sehr schön.
00:17:01: Und ich habe bis heute ein Zimmer im Elternhaus.
00:17:07: Es gibt es noch dein Elternhaus?
00:17:08: Ja.
00:17:09: Und wer wohnt da heute?
00:17:10: Wer hat das?
00:17:12: Meine Schwägerin wohnte da, mein Bruder hatte das.
00:17:15: Der hat das übernommen?
00:17:16: Und dann hatten sie natürlich Werdenvieh.
00:17:20: Und vom Stall hat sich ein Neffe eine Wohnung gebaut.
00:17:25: Die wohnen nebenan.
00:17:27: Meine Schwägerin hat ein ganzes Haus mit langer Dehle.
00:17:31: Wenn du jederzeit Lust und Zeit
00:17:34: hast,
00:17:34: da zu kommen und hast einen Platz auf dem alten älterlichen Hof.
00:17:37: Wir haben eine schöne Geschichte.
00:17:38: Es ist ja noch ein Superlativ nach so vielen Jahren.
00:17:41: Ist ja auch nicht selbstverständlich.
00:17:43: Das muss ich auch sagen, ich habe bis heute einen guten Draht zu meiner... Familie.
00:17:50: Und wie gesagt, mein Neffe, der Älteste von meinem Bruder, der hat von Anfang an gesagt, nee, ich gehe dahin, wo Tanti, ich bin Tanti in der Familie.
00:18:03: Und ja, und der kam denn natürlich hier hin und hat hier, er war der erste, früher gab es nur Schwestern in der Krankenpflegeschule.
00:18:14: Und Er gehörte zu den ersten Jungs, die dann, weil da auch dann geguckt war und sagte man, ja, Nazareth hat dann eine Krankenpflegeschule, die Diakone, aber es sollten auch nach Sarepta, nach Gilead, dann Jungs mit aufgenommen werden.
00:18:39: Und er gehörte mit zu den ersten, die dann Krankenpflegeexamen.
00:18:46: Hat er
00:18:46: mal erzählt dir, wie er sich gefühlt hat in dieser Frauenwelt?
00:18:52: Nee, er ist nicht so der große Redner.
00:18:58: Er
00:18:58: hat es wie die Tante gemacht, er hat es hingenommen.
00:19:01: Aber
00:19:01: er hat von Anfang an gesagt, er ginge dahin, wo ich wär.
00:19:06: Das war also, ja.
00:19:09: Ja, ich habe mich gefragt, weil ich wollte nochmal auf das Thema Tracht zu sprechen kommen.
00:19:14: Ich verrate mal, wir haben jetzt kurz, bevor wir angefangen haben, aufzunehmen, kurz uns unterhalten und dann hast du gesagt, dass es für dich ja nie ein Problem ist, morgens aufzustehen und zu entscheiden, was du ansehen musst, weil die Tracht ist da und das macht es relativ einfach.
00:19:28: Hast du trotzdem mal in den vielen, vielen Jahren vor einem Geschäft gestanden und gedacht, wow, dieses Kleid, diese Hose, was auch immer.
00:19:38: Das hätte ich doch gerne.
00:19:41: Nie, in der Form hatte ich, weil ich eigentlich auch nie so die Möglichkeit hatte, weil ich ja wusste, wann soll ich das anziehen?
00:19:52: Geht gerade.
00:19:54: Alles sehr pragmatisch.
00:19:57: Ich habe das dann immer zweckzivil genannt.
00:20:01: Ich bin jahrfünfzig Jahre Auto gefahren und weil das dann praktisch war und und im Urlaub war es schon manches praktisch.
00:20:11: Ich bin zwar auch viel im Urlaub in Tracht gefahren, aber auch in Zivil.
00:20:18: Also das mit dem Auto, das habe ich, so habe ich dich auch mal kennengelernt, mit deinem Golf hier langzufahren.
00:20:22: Und das war ja auch ein wichtiger Punkt, weil du ja vielen Mitschwestern dadurch auch unterstützt hast, hier Arztbesuche zu machen und den Weg zum Erwerkshending.
00:20:30: Ich glaube, das ist ja auch nicht ganz leicht gefallen, das Auto abzugeben und zu sagen, aus Vernunftsgründen irgendwann, das ist auch eine nächste langhänge, oder?
00:20:38: Ich habe dann gesagt, ich brauche manchmal eine klare Ansage von meinem Gott.
00:20:44: Und
00:20:45: ich habe
00:20:46: zu Schrott gefahren und dann hatte sich das erledigt.
00:20:51: Und er hat dich heil gelassen und dann war es eine klare Ansage.
00:20:55: Das ist aber noch nicht so lange her, oder?
00:20:57: Nein, auf dem Parkplatz hier oben.
00:21:02: Dann war die Ansage da.
00:21:04: Aber das bringt mich noch mal zu dem Gedanken.
00:21:07: Also diesen Teil deiner Langzeit jetzt, ich hatte das vor... Ein oder letztes Jahr auch zur Pensionärsfeier gesagt, da hattest du ja auch so ein Jubiläum.
00:21:16: Du hast ja schon über dreißig Pensionärsfeiern mitgemacht.
00:21:20: Das ist ja auch so ein Jubiläum, was ja viele gar nicht erleben.
00:21:24: Aber du bist da ja nicht einfach in den Ruhestand gegangen und hast das Leben an dir vorbeiziehen lassen, sondern bis ja nach wie vor aktiv gewesen.
00:21:31: Viel für deine Mitschwestern und dann auch für die Kapelle in Wilyat, eine ganz wichtige Figur bis heute, jetzt über zweiunddreißig Jahre.
00:21:39: Wie bist du zu diesen Dienst dann gekommen?
00:21:41: Ja, es gab, als ich noch im Dienst war, hat mein Neffe, der ja Hygienefachkraft war und keinen Sonntagsdienst machen brauchte.
00:21:54: Der hatte ja Sonntags immer frei.
00:21:56: Und dann hatten sie den angesprochen, ob er nicht mal Küsserdienst machen würde.
00:22:02: Ja, hat er denn auch gemacht.
00:22:05: Und als ich aufhörte, da sagte er sofort, Dann kannst du aber jetzt den Küsterdienst übernehmen.
00:22:14: Ich wohnte in Werther und spielte auch im Posaunenkor, hatte so Aufgaben noch und so.
00:22:21: Und ja, und so ist das gekommen, dass ich dann den Küsterdienst übernommen habe.
00:22:28: Und ja, dann hab ich ... ich weiß nicht nach wieviel Jahren, dann waren auch ein paar andere da und dann habe ich dann mal Pause gemacht und dann hieß es, nee, nun ist aber keiner mehr da, geht ja auch nicht, geht auch im Grunde nicht.
00:22:50: Und so ist das dann.
00:22:53: Geblieben und die Weggemeinschaft mit Pastor Abit war einfach, es war ein schöner Jahr.
00:22:59: Es war ganz schön.
00:23:01: Mir ist noch mal so aufgefallen, ich habe noch mal versucht, die Zeitgeschichte deiner Zeit hier, fast achtzig Jahre Betel, du hast ja auch einige Vorstandsvorsitzende kennengelernt und bist ja unter anderem, wenn ich das richtig sehe, also du bist ja, es gab Drei ja Friedrich von Bodelschwing, die die Anstalt geleitet haben.
00:23:18: Friedrich von Bodelschwing, den Älteren, dem wirst du nicht mehr begegnet sein.
00:23:21: Das kann nicht von den Lebenszeiten her nicht sein.
00:23:24: Der zweite Friedrich von Bodelschwing, der ist bis sechsundvierzig Anstaltleiter gewesen.
00:23:28: Bist du dem noch begegnet?
00:23:30: Nein, der war gerade schon, der ist sehr plötzlich gestorben.
00:23:35: Und der war also gerade gestorben.
00:23:37: Außerdem war es in Sarrepta so, Sarepta hatte einen Vorstand.
00:23:47: Da war im wesentlichen Pastor Brandt sehr maßgebend, wirklich ein sehr guter Theologe auch und der sehr viel.
00:23:59: Und wir hatten ihm auch eine sogenannte Vorsteherin und eine Stellvertretung.
00:24:07: Das hatte auch alles seine große Ordnung.
00:24:11: kann man sagen.
00:24:12: Und mit dem Betelvorstand hatten wir eigentlich wenig zu tun, dass man wusste, wer da die Leitung hatte, Brudelspink und und und, aber mehr auch nicht.
00:24:29: Und es gab ja dieses Diakonhaus Nazaret.
00:24:34: Das ist zwar etwas später nach uns entstanden.
00:24:40: Aber in Nazareth dürfen wir kaum zur Seite gucken, nicht?
00:24:44: Also das war nun total tabu, dass wir uns damit den Dialkolen, hätte man keine Freundschaft anfangen dürfen.
00:24:55: Weil das alles junge Männer waren oder weil das sozusagen eine Bruderschaft war?
00:25:00: Ja, weil das ja Männer waren.
00:25:05: Ja gut, ich meine, es ist ja auch irgendwie das ... gibt es ja auch gewisse Gefahren, wenn man sich sozusagen für eine Ehelosigkeit entscheidet.
00:25:14: Ja,
00:25:15: und
00:25:16: die hatte es dann auch ab und an gegeben.
00:25:23: bis heute.
00:25:24: Aber gut, heute redet keiner mehr.
00:25:26: Also das ist ja auch noch mal wichtig zur Vollständigkeit zu sagen, du gehörst ja zur Sarepta-Schwesternschaft der alten Ordnung in Genossenschaft, Ehelosigkeit und Tracht.
00:25:35: Und es gibt ja die Sarepta-Schwestern der neueren Ordnung, die nach wie vor in diesem als geistliche Gemeinschaft unterwegs sind, aber in ihren Familienleben, in ihren Berufen, ich glaube Deutschland weit verteilt, aber hier das Mutterhaus nach wie vor ins geistliche Mitte haben.
00:25:49: Ich habe.
00:25:51: vor ein paar Jahren dann war ich mal irgendwie mit der Reise unterwegs und dann haben wir auch, ich glaube in Thüringen war das ein Mutterhaus besucht, aber auch da ist es so, dass kaum oder keine eigentlich mehr gekommen sind, in unserer Form einzutreten.
00:26:14: auch, weil ja, man liebt heute insgesamt ja.
00:26:20: Anders als zu unserer Zeit und als ich kam, war ja auch das Ganze sehr gefestigt, die Ordnungen in den Mutterhäusern.
00:26:39: Denn das waren ja die Katholiken hatten ja auch.
00:26:43: Es gab Nonnen, aber da waren auch viele.
00:26:47: Und also Männerhäuser, ja, und das war in der evangelischen Kirche.
00:26:56: Da gab es zwar Diakonissenhäuser, aber für Männer wenige.
00:27:03: In Nazareth war schon was Besonderes auch da.
00:27:09: Wenn unser Podcast, den wir unser Gespräch, was wir jetzt gerade führen, zu hören sein wird, dann ist es fast Weihnachten, weil wir den so im Dezember irgendwann rausbringen und du hast ja dann viele, viele Weihnachten in Bekel gefeiert.
00:27:23: Wie ist Weihnachten für dich?
00:27:25: Wie machst du das?
00:27:26: Wie feierst du das?
00:27:27: Wenn ich an die Klinik denke, dann war die Weihnachtszeit schon immer auf der Station eine besondere.
00:27:37: Wir haben uns bemüht, ja, wenn ich heute darf man ja keine Kerzen mehr so rumstehen haben, will ich mal sagen.
00:27:49: Aber wenn ich denke, erst mal habe ich viele Kerzen selber gemacht.
00:27:55: Und habe auch an Weihnachten, eigentlich hatte ich so für mich den Ehrgeiz immer die Weihnachtsgröße oder Geschenke für die Mitarbeiter selbst zu machen.
00:28:11: Ich habe nächtelang dann Bartik-Sachen gemacht und sonst was.
00:28:16: Und das war auch, ja war so eine Marke von mir.
00:28:23: Aber die Weihnachts-, also Advents- und Weihnachtszeit war schon immer eine besondere.
00:28:30: Und stell dir mal vor, wir hatten immer in jedem Zimmer einen richtigen Weihnachtsbaum mit richtigen Kerzen.
00:28:44: kann man sich heute nicht mehr vorstellen.
00:28:48: Es
00:28:48: wäre gar nicht mehr erlaubt,
00:28:49: neben dem ganzen Aufwand das aufzustellen und zu beruhigen.
00:28:53: Und
00:28:54: auf jeder Fensterbank standen Kerzen.
00:28:59: Also die Weihnachtszeit war schon eine besondere auch in der Klinik und für die Patienten.
00:29:08: war ja die Weihnachtsfeier immer ein paar Tage vor Weihnachten, sodass sie dann auch alle noch da waren und erst danach entlassen wurden, wenn sie nach Hause durften.
00:29:23: Insofern war also die Weihnachtszeit war für uns auf der Station auch für alle Mitarbeiter eigentlich schon was Besonderes.
00:29:36: Was ist für dich Weihnachten dein leider wahrscheinlich nur nicht gab?
00:29:39: Ich hab gelesen, du bist eine große Verehrerin von Spargel.
00:29:42: Du könntest das ganze Jahr Spargel essen.
00:29:44: Den wird's Weihnachten wahrscheinlich nicht mehr gegeben haben.
00:29:49: Wann wird für dich persönlich Weihnachten mit was das Essen angeht?
00:29:53: Gibt's da was Besonderes, wo du sagst, das verbinde ich mit Weihnachten?
00:29:55: Nein.
00:29:57: Da bist
00:29:58: du.
00:29:58: Nicht.
00:30:00: Und mit dem Essen.
00:30:04: war ja auch als Stationsschwester in der Gemeinschaftsverpflegung.
00:30:10: Ich hätte mir nicht mal eine Tasse Kaffee all selbstständig kochen können, weil ich keinen Kaffeeautomaten oder sonst was hatte.
00:30:18: So was gab es alles nicht.
00:30:20: Das war nur Gemeinschaft.
00:30:23: Und so war das auch.
00:30:26: Mit dem Essen, man ging jeden Mittag in den Speisesaal zum Mittagessen und da wurde dann die Zeitung vorgelesen.
00:30:38: Und im Grunde machst du das ja so, wie es geht bis heute, weil du lebst ja im Stift oben und mit den Schwestern, die da noch sind und auch, wenn auch die Gemeinschaft sehr reduziert ist.
00:30:48: Aber da, wo es geht, lebt ihr ja die Gemeinschaft bis heute, ne?
00:30:51: Das kommt, aber mit dem Essen mache ich das im Augenblick ja noch selber.
00:31:00: bestellten Essen.
00:31:01: Bis jetzt braucht ich es nicht.
00:31:04: Ich bin keine Hausfrau, aber man verhungert ja nicht.
00:31:07: Man kann ja auch halbfertiges kaufen.
00:31:11: Also wer siebenundneunzig geworden ist, mit diesen unterschiedlichen Wegen wird wohl dafür sorgen
00:31:18: können.
00:31:18: Ich kann bis heute, ich bin da auch wirklich gut bedacht worden vom Lieben Gott.
00:31:26: Ich kann alles vertragen, ich habe kein Problem mit dem Essen.
00:31:31: Ich könnte abends spät Mittag essen, aber ich kann das auch mittags.
00:31:39: Elisabeth, ich danke dir ganz herzlich für dieses sehr schöne, wunderschöne Gespräch.
00:31:44: Und ich bin freue mich wirklich sehr, dass das gelungen ist, dass wir das hier machen konnten.
00:31:49: Vielen
00:31:55: Dank.
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