#34: Inklusive Medizinlehre: Lernen von Betroffenen | Antonia von Reden
Shownotes
Die passende Ansprache im Umgang mit Patientinnen und Patienten zu finden ist für Medizinstudierende ein wichtiger Lerninhalt. Besonders wichtig ist die richtige Ansprache, wenn es um Menschen mit Behinderungen geht. Um genau hier anzusetzen, wurde vor einiger Zeit in den Universitätskliniken für Inklusive Medizin und Epileptologie des Krankenhauses Mara das Projekt FRiMeL ins Leben gerufen. Das Co-Teaching-Format mit sogenannten Inklusiven Lehrassistent:innen ermöglicht es, die Perspektiven von Betroffenen direkt in die medizinische Lehre einzubinden.
Eine dieser Expertinnen ist Antonia von Reden. Nach einem schweren Sturz und einem monatelangen Koma musste sie Vieles im Leben neu lernen. Heute bringt die Designerin und Schauspielerin als Inklusive Lehrassistentin genau diese Erfahrungen in die medizinische Ausbildung ein: Gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten steht sie am Krankenbett, unterbricht, hinterfragt und erklärt. Das Ziel ist eine inklusivere Medizin(lehre) – und damit ein respektvollerer, sensiblerer Umgang mit Patientinnen und Patienten. Antonia von Reden erzählt im Gespräch offen von ihrem Lebensweg, ihrer Arbeit im Forschungs- und Teilhabeprojekt FRiMeL, ihrem Engagement in der Theaterwerkstatt Bethel und davon, was Freiheit, Selbstbestimmung und Lebenslust für sie bedeuten.
- EvKB im Netz: www.evkb.de
- Mara im Netz: www.mara.de
- EvKB und Mara bei LinkedIn: www.linkedin.com/company/evkbethel
- EvKB und Mara bei Instagram: www.instagram.com/evkbethel
- Philipp Katzmann bei LinkedIn: www.linkedin.com/in/philipp-katzmann-633b652aa/
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:12: Ich freue mich auf eine neue Folge Podcast.
00:00:16: Heute mit Antonia von Reden.
00:00:18: Herzlich willkommen.
00:00:19: Schön, dass Sie da sind.
00:00:21: Hallo.
00:00:22: Danke, dass wir da sein darf.
00:00:24: Ja.
00:00:24: Frau von Reden, ich habe gelesen, dass Sie aus dem Lipischen sind.
00:00:29: Da sind Sie geboren, wenn ich das und aufgewachsen.
00:00:32: Stimmt.
00:00:32: Ich habe mich gefragt, kennt man im Lipischen das Wort friemelig, wenn etwas friemelig ist?
00:00:38: Ich kenne das aus meiner Kindheit.
00:00:39: Können Sie damit etwas anfangen mit dem Wort?
00:00:41: Auf jeden Fall.
00:00:42: Auf jeden Fall kenne ich das Wort friemelig und kann was damit anfangen, ob man das im Lipischen kennt oder nicht.
00:00:48: Ja, das ist schon gut.
00:00:49: Das ist immer zweitrangig.
00:00:50: Aber wir haben eine gemeinsame Fristständigungsbasis.
00:00:53: Wenn etwas friemelig ist, dann ist man so am Rumnifteln und versucht, etwas hinzukriegen, etc.
00:00:59: Warum frage ich das wohl Sie, ob Sie was mit dem Wort anfangen können?
00:01:02: Helfen Sie mir doch auf die Sprünge, ob das Wort friemelig in seiner Bedeutung was mit dem Wort friemel zu tun hat, für das Sie hier sind.
00:01:10: Genau.
00:01:10: Also ich arbeite in dem Projekt friemel.
00:01:15: Und da ist es tatsächlich friemelig.
00:01:19: Ich hätte jetzt gedacht, Sie sagen, das hat damit gar nichts zu tun.
00:01:22: Aber das freut mich natürlich noch umso mehr, wenn Sie sagen, es ist friemelig.
00:01:26: Wir müssen erst mal den höheren Notörern erzählen, dass friemel, da wo Sie arbeiten, steht für Forschungsprojekt zur Realisierung von inklusiver Medizinlehrer.
00:01:36: Erzählen Sie doch mal, was das ist und was ist so ein bisschen friemelig daran.
00:01:41: Also Forschungsprojekt.
00:01:43: Versteht sich?
00:01:45: Realisierung ist natürlich, wir wollen in dem Sinne dieses Projekt und einfach auch überlegen, wie man Medizin, inklusive Medizinlehre in den universitären Unterricht irgendwie unterbringen, etablieren kann und vermitteln kann.
00:02:05: Also zu schauen, wie die inklusive, ich sag mal Co-Teaching oder so Zusammenarbeit, sowohl von Dozenten, Professoren, mit einer Fachausbildung, aber auch Menschen mit Behinderung, inklusive Arbeit.
00:02:25: Co-Teaching, Co-Lehre machen.
00:02:28: Ja, ich muss mir dazu erzählen, das können manche Hüren und Hüren gar nicht wissen oder haben das jetzt vielleicht auch in den mehrere Podcast-Folgen gehört haben, schon mitbekommen, dass man ja im Bielefeld jetzt seit knapp vier Jahren, glaube ich, oder drei Jahren Medizin studieren kann.
00:02:46: Und hier ist ja ein Studiengang gibt, wo die Eine Besonderheit ist, dass die Medizin Studierenden ab dem ersten Semester mit am Krankenbett stehen.
00:02:55: Also nicht dieser Klassiker erst vor Klinik, dann Klinik, sondern ab dem ersten Semester.
00:03:00: Und im Krankenhaus Mara, das ist ja mittlerweile auch bekannt, die inklusive Medizin ist und man sich da auch schon Eindrücke gewinnen kann.
00:03:08: Und wenn ich es jetzt richtig verstanden habe... Für mich, man auf den Nenner gebracht, geht es in diesem Projekt, in diesem friemel Forschungsprojekt darum, dass Studierende der Medizin über Menschen mit Behinderung etwas lernen sollen, aber von Menschen mit Behinderung.
00:03:23: Die sind in der Lehre hineingenommen und sie sind einer von diesen Lehren.
00:03:28: Genau.
00:03:29: Als Sie gerade schon gesagt haben, über Menschen mit Behinderung was lernen, genau falsch.
00:03:36: Weil wir sind nämlich mit... am Bord und erzählen nicht über uns, sondern wir erzählen von uns.
00:03:45: Ja gut, danke für die Korrektur.
00:03:47: Das ist wichtig, dass Sie mich an dieser Stelle korrigieren und wir es aufgeklärt haben.
00:03:52: Deshalb die Anschlussfrage, wie sind Sie denn dazu gekommen?
00:03:54: Also sagen wir so.
00:03:56: Wir haben ja anfangs gesagt, ich und es stimmt ja, ich bin im Lipp schon groß geworden.
00:04:02: Ich wusste immer Bielefeld und Betel und so weiter ist hier und deswegen bin ich dann auch Nachdem ich gestürzt bin und selber dann auch diese Erfahrung mit meiner Behinderung erlebe und einfach auch unterwegs bin, wusste ich, okay, ich als Designerin, Gestalterin kann quasi diese Erfahrung mit, also diese Perspektive direkt mit an und aussprechen und habe quasi was gesucht.
00:04:38: wo ich mitgestalten kann.
00:04:41: Sie haben ja jetzt in einem Satz sozusagen mal ein ganz ein Teil Lebensgeschichte zusammen gefasst.
00:04:46: Ich muss noch mal ein bisschen nachhaken.
00:04:48: Sie haben gerade schon angedeutet, sie sind irgendwann gestürzt.
00:04:52: Das heißt, es hat irgendwann ein traumatisches Erlebnis in ihrem Leben gegeben, was ihr Leben von jetzt auf gleich grundlegend verändert hat.
00:05:00: Sie haben in dem Interview mal gesagt, ich war ein Totalschaden.
00:05:05: Das stimmt.
00:05:07: ist es für Sie gewesen?
00:05:10: Richtig.
00:05:12: Erzählen Sie mir doch mal, um ein bisschen das nicht zu verstehen, aber ein bestückten Gefühl dafür zu bekommen, was ist da passiert und was hat das für Sie bedeutet?
00:05:23: Also ich bin auf den Hinterkopf geknallt und war dann super lange im Koma und in dem Sinne ist dann ja total schon fast das ziemlich überspitzt zusammen, hat einfach gar nichts mehr funktioniert.
00:05:41: Und ich musste mir in dem Sinne alles wieder aneignen, zurück trainieren.
00:05:46: Das heißt, wenn alles heißt grundlegend, also sprechen, lesen, schreiben
00:05:52: etc.,
00:05:52: haben Sie alles neu gelernt?
00:05:54: Oder wo haben Sie angefangen?
00:05:55: Wie kann man das sagen?
00:05:57: Naja, also Krova ist ja so ein Energiesparmaßnahme, würde ich sagen.
00:06:02: Das heißt, ich habe vier Monate lang erst mal gar nichts funktioniert und war dann auch künstlich quasi unterstützt.
00:06:13: Und ja, Schreiben lesen musste ich, also es war... Wie soll ich sagen, zusammengefasst kann man sich das vielleicht vorstellen.
00:06:21: Am besten, ich bin in dem Sinne als Neugeborene wieder aufgewacht und musste in dem Sinne all die Prozesse, die so ein Baby auch lernt, auch wieder planen.
00:06:35: Und Sie haben nicht gesagt, jetzt ist mein Leben einfach an den Punkt gekommen, wo ich mal gucke, wo ich, wenn ich es überspitze, sage, vor mich hin, vegetiere, sondern Sie haben es mit Energie und Elan angenommen.
00:06:47: und sind den Weg gegangen.
00:06:49: Sie haben gerade schon gesagt, Sie sind Grafik-Designerin oder Designerin?
00:06:54: Designerin?
00:06:55: Designerin und arbeiten auch in diesem Beruf nach wie vor.
00:06:59: Oder haben Sie das jetzt, das habe ich versucht noch zu verstehen, ob Sie das eigentlich noch machen oder ob Sie jetzt hauptamtlich mittlerweile im leerenden Betrieb sind?
00:07:07: Nee, ich bin sowohl Designerin als auch hier, ich sag mal Social-Designerin.
00:07:16: Ein Schritt zurück, Designerin oder Designerin ist lösungsorientiertes Denken.
00:07:22: Also der ganze Prozess irgendwie problematisch zu lösen und arbeitet tatsächlich in Deadmold, in Lippe für Tourismus Marketing mit nach halben Stellen und hier dann noch in der Lehre oder auch in der Forschung.
00:07:41: in den Forschungsprojekten.
00:07:42: Wenn wir nochmal zum Forschungsprojekt kommen, das haben Sie, also Sie sind als Lehrende selbst tätig für die Studierenden.
00:07:49: Wie stelle ich mir das konkret vor?
00:07:50: Was machen Sie da?
00:07:51: Was machen Sie vielleicht anders als andere Lehrende, wo man sich klassischerweise Medizinstudierende vorstellt?
00:07:59: Da steht der Professor, da steht die Professorin und bringt alles Notwendige über die Erkrankung bei und wie man es am besten heilt.
00:08:06: Was kann ich bei Ihnen lernen, wenn ich Medizin studiere?
00:08:08: Also,
00:08:09: dadurch, dass ich zum Beispiel, zum Beispiel, es ist tatsächlich nur eine Kleinigkeit, aber schlecht höre oder auch trau bin, kann ich das dann zum Beispiel, also Beispiel aus Gut erzählen.
00:08:26: Und kann darüber hinaus einfach auch so quasi die Brille einer Person mit Beeinträchtigung anziehen.
00:08:34: Und in dem Moment, wenn ich merke, dass die Studierenden irgendwie jetzt diskriminierend oder respektlos oder unmenschlich mit der Person, dem Patienten, Klienten, die eine Beeinträchtigung haben, irgendwie umgehen, dann kann ich sagen, halt stopp.
00:08:53: Das ist jetzt Norgo zum Beispiel.
00:08:56: Und eben das sind alles Themen, die wir einfach besprechen in diesen besagten FRIME-Projekt.
00:09:04: Also das sind alles Punkte, die wichtig sind, den Studis mit auf den Weg zu geben.
00:09:10: Punkte, Kommunikation, versständlich zu sprechen, nicht fachbegriffen zu sprechen.
00:09:17: Genau, das sind so Punkte, die wir den Studierenden mitgeben.
00:09:23: Meine, ich sag mal, Berufung ist es, so ein bisschen auch darüber zu sprechen und die Ängste zu nehmen, den Menschen im Umgang mit Behinderung überhaupt in den Austausch zu gehen.
00:09:39: Also ich höre ganz, ganz, ganz, also ganz viel von durch, dass sie eigentlich den Prozess des Lernens ein Stück verlangsamen.
00:09:49: Und da muss ich mich nochmal bedanken für die Korrektur von vorhin, weil sie wirklich nicht nur über die Sachen sprechen, sondern ich stelle mir so vor, sie stehen neben den Studierenden und können jederzeit unterbrechen und sagen, gut gemeint, aber wenn ich jetzt als Betroffene das so mitbekomme, da würde ich was nicht verstehen oder da fühle ich mich nicht verstanden, da fühle ich mich nicht gesehen, so in dieser Art.
00:10:15: Genauso in dieser Art.
00:10:17: Allerdings müssen wir so ein bisschen unterscheiden, wenn der Prof tatsächlich auch Wissen vermitteln will, auch im Unterricht am Krankenbett, dass wir dann auch wissen, okay, hier geht es jetzt gerade um Wissensvermittlung.
00:10:30: Und hier macht es jetzt keinen Sinn zu unterbrechen, weil die Vorlesung in dem Sinne muss ja auch ...
00:10:38: Ja, also es ist im guten Sinne ein Co-Teaching.
00:10:41: Das heißt, Sie gehen gemeinsam mit den Duzierenden der entsprechenden Lehre, ob es jetzt der Professor ist oder der Oberarzt, wer auch immer da gerade oder die Oberärztin während der Lehre gerade tätig ist, aber Sie machen es miteinander und geben dann Ihre Impulse rein.
00:10:55: Was erleben Sie denn auf Studierenden Seite?
00:10:57: Lassen die sich gerne unterbrechen?
00:10:59: Lassen die sich gerne an dieser Stelle supervidieren?
00:11:02: Stelle ich mir auch nicht ganz unanstrengend vor als Studierender, wenn da immer jemand neben mir steht, der sagt, verstanden habe ich dich nicht.
00:11:10: Ja, allerdings merke ich tatsächlich eine Neugierde und auch so eine Form von Unwissenheit der Studierenden und dann auch eine Dankbarkeit.
00:11:23: Also, dass sie quasi an der einen oder anderen Stelle einfach auch zurechtgerückt werden und gesagt wird oder dass sie einfach ja ein authentisches Handwerkszeug irgendwie mitgegeben bekommen oder auch Hinweise hier, da und da und da könnt ihr euch noch weiter informieren oder so.
00:11:42: Und nochmal die Frage, wenn man jetzt so ein Lebensereignis wie Sie hatte, was das Leben grundsätzlich verändert hat, Sie haben erzählt, Sie haben lange im Koma gelegen, mussten sich wieder vieles neu erlernen, dann... Ist man ja nicht irgendwann an dem Punkt, wo man sagt, und jetzt möchte ich gerne im Fremelprojekt mitarbeiten.
00:12:01: Ist da jemand auf Sie zugekommen?
00:12:02: oder haben Sie sich im Betel gemeldet und haben gesagt, Leute, mir ist da jetzt, ich lag lange im Koma und da ist mir was eingefallen?
00:12:09: Das könnte mir doch mal machen.
00:12:10: Nee, ich hatte tatsächlich mein Studium noch nicht abgeschlossen.
00:12:15: Also ich habe ja Design studiert in Köln und habe dann die Abschlussarbeit.
00:12:21: Ist genau ein Thema.
00:12:24: bin gestürzt Ende des Jahrhunderts und zu dieser Zeit kam so das ganze Thema der Inklusion auf und habe dann de facto eine Arbeit zu dem Thema gemacht und wusste okay, dieses Thema landet nicht in der Schublade und bin so dann im Jahrhunderts hier nach Betel gekommen, um gerade rund um Menschen mit erworbener Hirnschädigung Ansprechpartner zu finden und zu schauen, wie ich das hier vielleicht etablieren könnte.
00:13:01: Und so war irgendwie die Verbindung von mir, weil ich ja aus dem Glippischen komme, wie du fällt nicht so weit weg ist und so weiter war irgendwie dat.
00:13:11: Und ja, war dann auch in der Theaterwerkstatt Betel.
00:13:16: auch aktiv und hab da einfach, war quasi immer präsent und wusste, irgendwie wird sich da was ergeben.
00:13:24: Und so war ich ja dann auch vorher in dem Projekt gut, also gemeinschaftlich oder stets erteil habe.
00:13:33: Genau, das ist ein weiteres Projekt, wo sie beteiligt sind.
00:13:36: Das muss man mal gerade deutlicher sagen, gut ist dieses Projekt.
00:13:40: und was passiert da?
00:13:42: Da untersuchen wir Nordrhein-Westfalen die Lebensbedingungen von Menschen mit herausforderndem Verhalten.
00:13:51: Und da untersuchen wir die Lebensbedingungen von Menschen in Nordrhein-Westfalen Punkte Teilhabe.
00:14:01: Gehen tatsächlich in die Einrichtung, sprechen auch mit Krankenkassen, Krankenhäusern mit Werkstätten und so weiter und Fragen, aber auch dann eben diesen Personenkreis der Menschen direkt, wie sie Teilhabe erfahren.
00:14:25: Wenn Sie jetzt mit in Ihrer Situation, in einem völlig normalen Leben unterwegs sind, wie erleben Sie das, wenn Sie gerade selbst vielleicht Arztbesuche machen, etc.
00:14:38: sagen Sie, ach, es hat sich schon auch was verändert in unserer Gesellschaft.
00:14:41: Es gibt eine größere Sensibilität.
00:14:43: oder sagen Sie, oh, wir haben den zukünftigen Medizinerinnen und Mediziner noch einiges beizubringen.
00:14:50: Und was sind so die konkreten Dinge, wo Sie es feststecken?
00:14:54: Wo Sie sagen, ach Mensch, da wünschte ich mir manchmal mehr einen Blick für mich in meiner Situation jetzt als Person mit erwobenen Hinschädigungen.
00:15:03: Also ich glaube, Der Punkt, den ich vorhin gesagt habe, die angehenden Medizinerinnen, die sind tatsächlich so ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen müssen, wenn sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen.
00:15:22: Und gar nicht so genau wissen, wie sie kommunizieren können.
00:15:26: Und ich glaube, an der Stelle ist es total wichtig, einfach auch mit ihnen darüber zu sprechen.
00:15:34: wie es besser geht, zum Beispiel also ganz einfaches Handwerkzeuges, Pictogramme oder einfach auch zu sagen, okay, es gibt ja auch Unterstützung, Kommunikation oder versucht einfach die komplizierten Worte, die unverständlichen Worte anders noch mal auszudrücken und so.
00:15:57: Das erfährt man schon die ganze Zeit und erlebe ich schon auch von vielen, die darüber berichten, dass da tatsächlich auch gerade dieses freme Projekt extrem hilfreich ist.
00:16:14: Gibt es denn schon eine vorläufige Moment der Auswertung und des Ganzen, wie relevant ihr Forschungsprojekt ist?
00:16:24: Also gibt es schon Ergebnisse?
00:16:26: Oder ist das zu früh?
00:16:27: Das ist zu früh.
00:16:28: Weil Sie sind dann gestartet?
00:16:30: Nein, wir sind vor drei Jahren gestartet, aber die Auswertungsprozesse fänden gerade genau statt.
00:16:37: Und die sind natürlich, da bin ich jetzt auch gar nicht so im Bild, was da konkret die Phase ist oder die Ergebnisse sind.
00:16:47: Also der Wunsch ist allerdings in vieler Hinsicht gesagt, dass wir, wir nennen uns Ila.
00:16:55: inklusive Lehrassistenten, dass wir auf jeden Fall... weiter mit assistieren sollten und die Studierenden sind einfach auch super dankbar, dass wir eben auch dabei sind.
00:17:08: Das würde ich gerade sagen, Sie haben ja, also das ist verständlich, dass es im wissenschaftlichen Sinn noch keinen Auswertungsmoment gibt oder die Ergebnisse noch nicht da sind, aber Sie haben ja wahrscheinlich ein Feedback im realen Leben und da kann ich jetzt vermuten, dass die Studierenden das wahrscheinlich überwiegend auch als bereichernd empfinden und als ein gutes Moment in ihrem Studium, oder?
00:17:32: Genau, weil es ist eigentlich nur, sie lesen drüber oder sie, ihnen wird gesagt, man könnte das ja so irgendwie Hand haben, sondern wir stehen tatsächlich als Person da und füllen das Ganze mit Leben.
00:17:48: Ist das eigentlich einzigartig?
00:17:51: Ja.
00:17:51: Also gibt es weder in Deutschland noch international bisher, wissen Sie das?
00:17:54: Also ich frage mich gerade.
00:17:55: International weiß ich, dass die Holländer ganz gut sind und dass die ja auch schon sehr viel weiter sind.
00:18:03: Ah
00:18:03: ja, das fällt mir jetzt gerade wieder ein.
00:18:05: Das erzählte mir Frau Prof.
00:18:07: Saborg im Gespräch, die war schon mal zu Gast hier und schwärmt da auch ein bisschen von den Holländern und ein bisschen vom internationalen Vergleich.
00:18:15: Genau.
00:18:16: Und das Ganze gibt es schon... in anderen Bereichen, also jetzt nicht in der medizinischen Medizinfach.
00:18:27: Also in der Kunst gibt es das auf jeden Fall einfach.
00:18:33: Was muss man denn für eine Voraussetzung mitbringen, um so ein inklusiver Lehrassistenz zu sein?
00:18:37: Also ich meine, wenn uns jetzt jemand hört, der sagt, Mensch, das habe ich ja noch nie gehört und ich habe eine ähnliche Geschichte wie Frau von Reden vielleicht und das würde mich voll reizen.
00:18:47: Wie kommt man denn dahin?
00:18:49: Also jetzt konkret in unserem Fall ist so, dass wir auf jeden Fall eine kognitive Einschränkung irgendwie haben müssen oder... Ich glaube, das war es, Alter, schon.
00:19:05: Aber grundsätzlich ist es sozusagen erst mal für alle möglich, die aber trotz ihrer Einschränkung aber in der Lage sind, ja anderen Menschen irgendetwas mitzuteilen darüber und irgendwie für diese Lehre dann sich befähigen zu lassen.
00:19:20: Ist das eigentlich dann nochmal eine Form der Ausbildung?
00:19:21: Haben Sie das nochmal irgendwie sich ausbilden oder trainieren lassen oder machen Sie das so, wie Sie es können, das den Studierenden beizubringen, diesen Lehrassistent?
00:19:32: Also wir entwickeln ja quasi die Inhalte des Kurses, also wir sind quasi die erster Generation der inklusiven Lehrassistenten und basierend auf unserer Erfahrung, auf unserer Lebenserfahrung.
00:19:50: Entwickeln wir halt die einzelnen Themen?
00:19:53: Ah ja, genau.
00:19:54: Das hatte ich verstanden, aber dann habe ich nicht verstanden, dass man jetzt mal ein Missverständnis ist, dass Sie sozusagen erst mal so als Gruppe da sind, wie Sie da sind, mit dem, was Sie bisher an Expertise mitbringen, die eine als Designerin, der andere als irgendwas anderes, und entwickeln jetzt miteinander auch das Konzept, wie eventuell dann später inklusive Lehrassistenten ausgebildet werden und was Sie für Befähigung haben müssen.
00:20:18: Und wir haben so ein bisschen auf den Schirm, dass wir, wenn dieser Kurs zukünftig weitere Menschen Mitbilderungen ausbilden soll, wie wir quasi, also wir denken immer so ein bisschen mit, wie andere mit einer Einschränkung quasi lernen können.
00:20:36: Es wird ja auch deutlich, dass Ihr Projekt vom Krankenhaus Mara sehr viel auch nach Betel hineinstrahlt.
00:20:43: Ich glaube, das GUT-Projekt ist ja auch ein Kooperationsprojekt zwischen Betelregional, dem Krankenhaus Mara und anderen Netzwerkpartnerinnen.
00:20:52: Der Sozialstiftung NRW und das Frimme Projekt ist innovative Hochschullehrer.
00:21:01: Es gibt ja noch andere Projekte, wir müssen können jetzt wahrscheinlich nicht alle bis ins Detail besprechen, aber eins fand ich noch spannend ist das Thema KI in der inklusiven Medizin.
00:21:11: Wo hilft KI?
00:21:14: Künstliche Intelligenz.
00:21:16: Zum Beispiel in der Kommunikation, zum Beispiel in Therapie, in Ago.
00:21:23: Nutzen Sie es in Ihrem Leben direkt selber, ganz praktisch alltäglich.
00:21:26: Nutzen Sie KI?
00:21:29: Neben wie vielleicht ChatGPT, was wir mittlerweile alle irgendwie nutzen, aber haben Sie irgendeinen Modul, wo Sie sagen, da nutze ich KI?
00:21:35: Oder ist das für Sie jetzt nicht so relevant?
00:21:38: nicht so superrelevant.
00:21:39: Mein Hörgerät hat vielleicht KI und halt die Navigation irgendwie, aber so richtig.
00:21:47: Ach so, doch nutze ich in wahrscheinlich im Bildbearbeitungsprogramm.
00:21:55: Aber jetzt nicht so, sonst benutze ich das nicht so wirklich aktiv.
00:22:01: Wenn ich überlege zum Beispiel so ... Ergo Physiotherapie, wenn damals, als ich quasi wieder als Rehabilitant Physiotherapie hab machen müssen, hätte ich mir jetzt halt gut vorgestellt, jetzt in so einer virtuellen Welt, auf einmal keine Ahnung, zu kochen oder so und dann... die Abläufe wieder zu lernen oder so.
00:22:29: Und das entwickeln wir halt auch alles.
00:22:31: Und gleichzeitig, also bei dem Projekt Künstliche Intelligenz in der inklusiven Medizin, was eben auch ein Kooperationsprojekt mit der Uni ist.
00:22:42: Da haben wir quasi so eine Untergruppe.
00:22:48: Da geht es eben auch so ein bisschen um Selbstbestimmung, dass wir quasi trotz der künstliche Intelligenz nicht überstummt werden von der künstlichen Intelligenz.
00:23:05: Gibt es eigentlich, was Sie in Ihrem, ich sage mal, Anführungsstrichen neues Leben nicht wieder erlernen konnten, was Sie auch ein bisschen traurig macht?
00:23:13: Oder sind Sie so eine Kämpferin, dass Sie sagen, das gibt es nicht?
00:23:17: Ich habe mir alles wieder angeeignet und was ich will, das mache ich schon.
00:23:23: Tatsächlich das Autofahren.
00:23:25: Also ich fahre keine Auto mehr.
00:23:29: Ich glaube, es würde auch keinen Sinn machen, wenn ich Autofahrer, weil ich verschiedene Baustellen habe.
00:23:35: Zum Beispiel Doppelsee und Schöre.
00:23:41: Die Reaktionszeit ist verlangsamt.
00:23:44: Die Koordination ist vielleicht auch ein bisschen nicht ganz sauber.
00:23:49: Also ich sage... Man könnte sich das quasi vorstellen, ich bin eigentlich twenty-four-seven betrunken.
00:24:01: Es ärgert mich nicht, weil ich ...
00:24:05: Sie haben Ihre Strategie damit gefunden.
00:24:07: Ich
00:24:07: habe eine Strategie, Autofahren ist glaube ich auch nicht mehr so lustig wie es oder nicht mehr so angenehm wie es vor zehn bis fünfzehn Jahren war.
00:24:19: Deswegen bin ich auch hier in Bielefeld-Herby, weil hier ist ein Zug, hier komme ich irgendwie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ganz gut klar.
00:24:28: Ja, und Sie haben ja gerade erzählt, als das Mikro noch aus war, dass sie ein Klapp ... Bares Dreirad haben E-Mobil getrieben.
00:24:36: Das heißt, sie haben ja für alles irgendwie einen Ersatz gefunden und die Ressourcen angepasst.
00:24:42: Okay,
00:24:44: eine Sache, die mich schon ein bisschen traurig macht ist, also die ich wirklich vermisse, ist, ich bin früher viel geritten.
00:24:55: Und das mache ich heute nicht mehr.
00:24:59: Also klar.
00:25:01: Und es gibt dann noch so eine andere Sache.
00:25:05: Ich war auch gut als Tennis-Spielerin.
00:25:10: Auch das geht
00:25:12: nicht mehr.
00:25:13: Man hört, es gibt Dinge, um die sie trauern, weil sie nicht mehr möglich sind.
00:25:18: Aber ich habe eben den Eindruck, alles, was da so gewesen ist und jetzt nicht mehr geht, das lässt sie nicht in Schockstache verfallen, sondern sie machen das Beste draus.
00:25:31: Wo nehmen sie diese ganze Energie her?
00:25:33: Da waren sie schon früher so in Energiebündel, also würde ihre Familie sagen, jetzt auch Rückblicken, die Antonia, das war schon als Kind eine schon vor dem Unfall und da hat die die besten Voraussetzungen mitgebracht, weil selbstverständlich ist das ja nicht nach so einem Sturz, also ich weiß, dass man sich ein Leben hat und dass man sagt, Mensch, ich will auch wieder was machen und will mich selbstbestimmt fühlen, etc.
00:25:57: Aber ich finde schon, ich höre eine besondere Biografie und Geschichte.
00:26:03: Nee, für mich ist Freiheit super wichtig, frei zu sein, das machen zu können, was ich will.
00:26:09: Damals habe ich gedacht, ja okay, und dann mache ich es halt im Rollstuhl Hauptsache, ich bin frei.
00:26:17: Ich habe wahnsinnig viel Sport gemacht, ehrlich gesagt.
00:26:21: Und in dieser ganzen sportlichen Zeit habe ich kennengelernt, nicht aufzugeben, weiterzumachen, das Ziel nicht aus den Augen zu verdienen, wenn es geht, sogar zu gewinnen.
00:26:33: Und ich habe irgendwie Rüste aufs Leben.
00:26:37: Ja, und würden Sie, was Ihr Leben angeht und der Sturz sagen, Sie haben gewonnen?
00:26:42: Ja.
00:26:43: Ja, gewonnen.
00:26:44: Ich meine, das Leben ist ja nur nicht vorbei.
00:26:46: Ja,
00:26:47: ist klar.
00:26:47: Genau.
00:26:48: Aber ich habe jetzt nur das Ball aufgenommen, weil Sie sagten, in Sport haben Sie schon den Ehrgeiz auch zu gewinnen.
00:26:55: Und ich finde, Sie haben da ja, sind da ja ein Weg angetreten und haben sich das Maß an Freiheit erkämpft, was vielleicht möglich ist.
00:27:05: Und das klingt ja schon auch nach, wenn es ein bisschen nazianisch klingt, aber das klingt ja auch nach einem Sieg.
00:27:12: Und dazu muss ich noch sagen, also ich habe einfach auch gelernt an den richtigen oder ich nehme mir manchmal dann auch das Recht und so raus, dass ich dann einfach auch reingredsche, dazwischen Quatsche beziehungsweise auch Fragen stelle, den Dialog in dem Sinne auch suche im Gespräch bin.
00:27:38: Ja, das ist ja wichtig gerade in dieser Arbeit, in dem Forschungsprojekt Fremel, aber auch in allen anderen Forschungsprojekten, dass sie Menschen mit Behinderung an dieser Stelle eine wichtige Stimme geben und sagen, das brauchen wir, damit Medizin, damit Gesundheitsversorgung für uns gut funktioniert.
00:27:59: Ich würde noch interessieren, Sie sind Schauspielerin.
00:28:01: Das hatten Sie gerade schon angemerkt.
00:28:03: Theaterwerkstatt Bete ist ein schönes, wichtiges Projekt.
00:28:07: Da sind Sie schon eine ganze Weile jetzt dabei.
00:28:09: Sind Sie auch nach wie vor?
00:28:10: Schau kurz Sie dazu noch.
00:28:12: Ich würde noch interessieren, was ist denn Ihre Lieblingsrolle?
00:28:15: Oder haben Sie noch eine Traumrolle, die Sie gerne mal spielen wollen?
00:28:19: Nee, also Traumrolle habe ich nicht.
00:28:22: Also sagen wir so.
00:28:24: Nee, habe ich nicht.
00:28:27: Ich nehme quasi immer das, was da ist und spiele quasi damit.
00:28:32: Und also meine Traumrolle in dem Sinne ist halt eine coole Performance, ein tolles Stück irgendwie, was knallt oder so auf die Bühne zu bringen.
00:28:45: Frau von Rieden, ich weiß gar nicht, ob Sie es gemerkt haben, wir haben schon eine halbe Stunde gesprochen und ich danke Ihnen für diese coole... Performance, dass Sie mich mitgenommen haben.
00:28:55: Sehr gerne.
00:28:56: In das Forschungsprojekt und Ihrer Arbeit.
00:28:58: Ganz herzlichen Dank.
00:29:00: Bitte gerne.
00:29:01: Das war, der Podcast des evangelischen Klinikums Bekel.
Neuer Kommentar