#44: „Sie hören mir wenigstens zu“ I Univ.-Prof. Dr. Christian Bien

Shownotes

Univ.-Prof. Dr. Christian Bien ist Direktor der Universitätsklinik für Epileptologie im Krankenhaus Mara und für dieses Fachgebiet Lehrstuhlinhaber an der Medizinischen Fakultät OWL der Universität Bielefeld. Im Gespräch mit Philipp Katzmann erzählt er, warum er ursprünglich Psychiater werden wollte, wie er zur Neurologie und Epileptologie kam und was ihn an seinem Arbeitsalltag bis heute begeistert.

Dabei geht es um die Behandlung und Erforschung von Epilepsie, um Epilepsiechirurgie und die besonderen Möglichkeiten im Krankenhaus Mara. Univ.-Prof. Dr. Bien erklärt, wie Operationen Patientinnen und Patienten vor gefährlichen Stürzen schützen können, welche Fortschritte die Forschung bei entzündlichen Epilepsien gemacht hat und wie künstliche Intelligenz künftig die medizinische Arbeit unterstützen könnte. Außerdem spricht er darüber, warum es in der Begleitung chronisch erkrankter Menschen nicht nur ums Heilen, sondern auch ums Zuhören und um eine möglichst hohe Lebensqualität geht.

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00:00:03:

00:00:10: Ich freue mich auf eine neue Folge Podcast, und ich begrüße ganz herzlich Prof.

00:00:15: Dr.

00:00:16: Christian Bien.

00:00:17: Herzlich willkommen!

00:00:19: Danke

00:00:19: für die Einladung.

00:00:20: Herr Professor Bien zu Beginn eine Frage wenn Sie morgens ins Krankenhaus Mara kommen?

00:00:28: Was ist vielleicht so einer der ersten Gedanken mit dem sie ihren Arbeit in ihren Arbeitstag starten?

00:00:33: Eigentlich denke ich fast jeden Morgen, dass ich befreue da zu sein.

00:00:37: Denn ... Ich komm gerne ins Krankenhaus.

00:00:40: Ich komm gern zur Arbeit und das liegt glaube ich daran... Dass es immer erfreuliche Begegnungen gibt den ganzen Tag über selbst dann wenn die Probleme groß sind Wenn die Nöte der Patienten Überhand zu nehmen scheinen.

00:00:57: trotzdem hat man immer wieder freundlich an ermutigende Begegnungen mit den Kolleginnen Kollegen mit den Patienten, sodass ich wirklich jeden Tag gerne komme und mir das eigentlich auch jeden Morgen kurz durch den Kopf geht.

00:01:11: Schön!

00:01:12: Und Sie machen es ja nun schon.

00:01:13: ein paar Tage bevor wir zu dem inhaltlichen Kommen was sie eigentlich machen und wofür sie im Krankenhaus Mara stehen will ich noch mal ganz weit zurück nämlich an ihre beruflichen Anfänger.

00:01:23: Ich habe in einem kleinen Interview mit ihnen den Satz gehört dass sie gesagt haben Als ich nineteenundzeixenneunzig mit meinem Studium in Berlin fertig war, wollte ich kein Neurologe werden.

00:01:36: Sondern?

00:01:37: Sondern im Psychiater!

00:01:40: Ich war fest insch aus dem Psychiator zu werden und dachte mir das verpflichtende neurologische Jahr... Das arbeite ich als erstes ab Und dann kam alles anders.

00:01:52: Dann haben sie sich für ein Leben der Neurologie verpflichtet?

00:01:55: Richtig, ja!

00:01:55: Genau.

00:01:56: also wie ist es?

00:01:56: was hat Sie denn an der Neurologie?

00:01:58: und speziell das ist ja glaube ich auch wenn ich's richtig verstanden habe dann gleich einen Punkt gewesen.

00:02:02: Sie sind ziemlich schnell bei der Epilepsie gelandet dafür stehen sie ja auch hier.

00:02:07: Was ist das was sie daran so fasziniert hat zu sagen?

00:02:10: Das begeistert mich.

00:02:12: Als ich im Studium fertig war war die Lage ganz anders als heute und Ich hab neun und sechzig Bewerbungen geschrieben um neurologische Ställe zu kriegen.

00:02:21: Und ich hatte drei Vorstellungsgespräche, das erste da bin ich durchgefallen Das zweite da stellte sich raus dass die stelle nicht existiert und die dritte war eine stelle in der klinik für epileptologie der unibon Und das war auch eine neurologische stelle und ich habe mich sehr gefreut da anfangen zu dürfen und hab dann verstanden Dass die epileptologie das eigentlich interessante an der neurologie

00:02:45: ist

00:02:46: so dass sich also nicht nur die Psychiatrie ein wenig an die Seite geschoben habe, nicht ganz aber ein wenig.

00:02:52: Sondern auch innerhalb der Neurologie früh in der Entscheidung getroffen haben.

00:02:55: das ist mein Fachgebiet.

00:02:58: Und wenn Sie mal einem Lein so das Krankheitsbild der Epilepsie erklären müssen.

00:03:04: was erzählen sie mir?

00:03:05: Wenn ich sage Mensch Epilepsy weiß ich irgendwie etwas mit Neurologe.

00:03:09: Aber was ist es eigentlich?

00:03:12: Ich würde ihm sagen dass wir die Epilepsey da erkennen dass Menschen Anfälle bekommen Also plötzlich auftretende Veränderungen in ihrem Erleben oder auch Verhalten, in ihren Bewegungen.

00:03:25: Am bekanntesten ist sicherlich und da findet man immer bei jedem Menschen einen Anknüpfungspunkt der große epileptische Anfall über dem der Patient bewusstlos ist sich am ganzen Körper überstreckt und anschließend rhythmisch am ganzen Körper zuckt und sieht dabei oft auf die Zunge beist manchmal auch Urin verliert.

00:03:43: diesen Anfall kennen die meisten obwohl es auch viele andere kleine Anfälle gibt, die nur einzelne Elemente davon enthalten.

00:03:52: Und Epilepsie heißt das Gehirn des Betroffenen ist in einer Weise krankhaft verändert, dass es immer wieder ohne erkennbaren äußeren Anlass solcher Anfällen erzeugt.

00:04:05: Das heisst, es is eine Krankheit von der sie bis heute eigentlich nicht sagen können wo sie herkommt, wie sie entsteht oder was ihr für ne Ursache hat?

00:04:13: Aber sie können sich mittlerweile ganz gut behandeln und kriegen Sie den Griff.

00:04:19: Das sind wir noch ein bisschen ehrgeiziger als das, was Sie uns zubilden.

00:04:23: Es ist nicht eine Krankheit, sondern die Endstrecke vieler Krankheiten.

00:04:27: Viele verschiedene krankhafte Prozesse im Gehirn können das Gehirnen so verändern, dass es immer wieder Anfälle erzeugt.

00:04:34: Und diese Krankheiten kennen wir zugutenteilen.

00:04:38: Manche sind sogar so umschrieben im Gehören angesiedelt, richtig lokalisieren und sogar operativ entfernen kann.

00:04:46: Also wir wissen schon viel über die Ursachen von Epilezin, leider nicht bei allen.

00:04:51: Wir würden es gerne bei allen Krankenwissen wissen ist nicht bei allem aber bei vielen und da ist die Forschung auch immer besonders engagiert um weitere Ursachen zu klären dann wenn man die Ursache kennt eine Therapie zu finden.

00:05:05: Weil wir jetzt gerade schon bei der Forschung sind, das ist ja auch wichtig dass Sie jetzt lange schon Chefärzt im Krankenhaus Mara sind für den Bereich der Epilektologie.

00:05:14: Seit einigen Jahren jetzt auch Universitätsprofessor weil die Besonderheit ist es des Krankenhaus Maras als eines der wenigen Fachkrankenhäuser für inklusive Medizin und Epilepsie auch universitäre Kliniker ist.

00:05:25: was passiert furchtungsmäßig so aktuell?

00:05:28: Was ist das was sie gerade reizt und wofür wo sie unterwegs sind im Bereich der epilepsy?

00:05:34: Uns beschäftigen immer wieder die Patienten, die trotz aller Bemühungen nicht anfallsfrei werden.

00:05:39: Die viele Medikamente genommen haben oft auch Nebenwirkung in Kauf nehmen mussten nur trotzdem Anfälle haben.

00:05:46: Das sind die, die wir Pharmakoresistenten nennen und die wir dann doch noch versuchen anfallsfreizukriegen.

00:05:52: Und da hilft die Epilepsicherung.

00:05:55: Da weiterzukommen ist eins unserer Hauptanliegen.

00:05:59: Wie finden wir die Stelle, die die Anfälle erzeugt?

00:06:02: Welche Operation ist die richtige?

00:06:04: Wie geht man nach der OP idealerweise mit dem Krankenum damit er anfallsfrei bleibt.

00:06:09: Das sind Fragen, die wir wissenschaftlich bearbeiten.

00:06:12: Ich habe gerade Ende letzter Woche Besite gemacht und da traf ich einen jungen Mann, der mir vorgestellt wurde als er grade achtzehnt wurde.

00:06:21: Der war lange bei uns im Kinderbereich behandelt worden hatte alle möglichen Medikamente probiert Und die Eltern sagten, es muss jetzt was anders werden.

00:06:31: Er stürzt so oft.

00:06:33: Das sind eine der Spezialaufgaben, die wir uns stellen.

00:06:36: Was kann man tun gegen Sturzanfälle?

00:06:39: Wir hatten schon feststellen müssen, dass wir nicht einen Ort finden bei ihm, der alle Anfälle erklärt weil er eine ausgedehnte Missbildung des Gehirns hat.

00:06:49: aber es gibt eine Möglichkeit Stürze zu verhindern nämlich dadurch das man die beiden Gehirnhälften von deiner Trenntoppe.

00:06:56: Man muss nichts entfernen Man trennt nur die Verbindung.

00:07:00: Und das hat den Vorteil, dass dann Anfälle, die sich beim unoperierten Patienten rasch von einem Stirnlappen in den anderen ausbreiten, wodurch der Patient die Haltungskontrolle verliert nicht mehr ausbreitern können sondern auf einer Seite bleiben und dann zuckt er vielleicht oder verkrampft sie auf einer seite aber er behält die Haltungskontrolle Und das ist für viele Patienten ein Riesenunterschied, ob sie also regelmäßig auf den Kopf fallen.

00:07:27: Denn Sturz unserer menschlichen Anatomie mit dem Kopf ganz oben führt ja sehr häufig zu schnellen Beschleunigungen und schweren Anpriltrauben am Kopf.

00:07:36: Wenn man das verhindern kann, ist es sehr viel erreicht.

00:07:39: Diese Operation die sogenannte Kallosotomie führen wir durch.

00:07:44: Die macht unser Herr Dr.

00:07:45: Kalpin ganz hervorragend technisch.

00:07:48: Wir stellen vorher sicher dass das geht ohne dass der Patient Schwere Nachteile bekommt.

00:07:54: Und dann geht es darum, diesen Patienten zu rehabilitieren und wieder daran zu gewöhnen mit den getrennten Hirnhälften die gleichen Aufgaben wahrzunehmen, die er vorher selbstverständlich wahrgenommen hat – das klappt auch sehr gut!

00:08:08: Da gibt's viel zu forschen.

00:08:09: wir wollen wissen warum klappt es für manchen etwas besser als bei anderen?

00:08:14: Was kann man tun um vielleicht weniger lange Erholungszeiten zu haben und trotzdem die volle Anfasskontrolle über die Stürze zu erzielen.

00:08:24: An sowas forschen wir im Moment sehr intensiv, da haben wir eine tolle Kooperation mit Kollegen in Kalifornien, die sich als Neuro-Wissenschaftler dafür interessieren wie ein Gehirn funktioniert das nicht mehr die Verbindungen hat.

00:08:37: Und wir interessieren uns dafür weil die Patienten davon profitieren können noch besser profitieren sollen.

00:08:43: und so ist unsere Forschung häufig zusammen mit Grundlagenforschern an anderen Häusern, mit unserer klinischen Erfahrung und dann befruchtet sich das gegenseitig.

00:08:53: Ich muss noch mal Zwischenfragen um das richtig zu verstehen.

00:08:56: also diese Methode dieser operative Methode war ja jetzt zu sagen man trennt die Gehirnhälften voneinander weil dann der Sturzanfall verhindert wird.

00:09:06: aber In meinem leinhaften Verständnis braucht es nicht die Verbindung der Gehirnhälften, damit man eigentlich auch reinungslos funktioniert.

00:09:13: Also wie stellen Sie das denn sicher?

00:09:14: Ja

00:09:15: zum Glück ist das im Alltag nichts zu merken weil man im Alltag ja immer alle Informationen in beide Hirnhälfen kriegt.

00:09:22: wenn wir uns jetzt anschauen dann gehen die Signale mal den Linken mal in die rechte Hemisphäre je nachdem ob ich links oder rechts an ihnen vorbeischau.

00:09:31: Das heißt im Alltal merkt man es dem Patienten gar nicht an.

00:09:35: Man kann aber experimentelle Bedingungen schaffen, in denen man manipulativ so hinkriegt das Informationen nur in eine Hälfte kommen.

00:09:43: Und dann merkt man... Die Dinge nicht so gut funktionieren.

00:09:46: Das klappt nur im Labor, wenn Psychologen einen... Aber

00:09:49: ist es mit?

00:09:50: Kann das sein dass das?

00:09:51: Weil ich finde das unglaublich spannend, somit eines der spannendsten Punkte ist überhaupt am Gehirn was man beziehungsweise aus Forschungssicht ... Was würden Sie denn sagen?

00:09:59: Was wissen wir eigentlich schon über das menschliche Hirn?

00:10:02: Wissen wir dann eigentlich ganz wenig oder wissen wir schon einiges oder wissen ihr schon alles weil das klingt so danach.

00:10:10: Das ist ja auch eine unglaubliche Leistung, die unser Hirn da schafft an unterschiedlichen Stellen.

00:10:15: Man kann immer wieder nur staunen.

00:10:17: Ja also staunend ist das was wir immer wieder tun und wenn ich jetzt wüsste wie das gehört im ganzen Funktion dann wüsst ich auch wie viel wir da schon verstanden haben aber das weiß ich leider nicht.

00:10:29: deswegen bleibe ich ihnen die Antwort wahrscheinlich schuldig und vermutlich würde ich mich auch überschätzen wenn ich etwas sagen würde so wie alle immer dazu neigen, das was sie schon wissen zu überschätzen.

00:10:42: Wahrscheinlich wissen wir nur sehr wenig von dem, was wir wissen sollten und wissen möchten aber es wird immer mehr und es sind oft kleine Schritte.

00:10:52: und diese Summe der vielen kleinen Schritte die machen am Ende doch eine Verbesserung aus.

00:10:56: Und wenn ich denke vor fünfzehn Jahre oder vor zwanzig Jahren war Epilepsiecherogie noch Unsicherer in vielen Punkten.

00:11:04: Wusstest du nicht genau, was bei jedem einzelnen rauskommt und heute wissen wir es viel genauer?

00:11:09: Genau da würde ich gerne mal ein bisschen vertieft darauf eingehen wenn Sie mal Ihre Zeit überblicken, Ihre berufliche Zeit von mir aus.

00:11:15: Sechsundneinzig als sie dann entschieden haben die Neurologie interessiert mich doch bis jetzt so ungefähr Was würden Sie denn so als die wichtigen Meister uns beschreiben?

00:11:24: Die wichtigen Stufen muss ich sagen ist wirklich wenn Ich zurückblicke schon wirklich eine Menge passiert in meiner zeit?

00:11:29: der größte Schritt ist passiert Bezüglich entzündlicher Ursachen von Epilepsiden.

00:11:36: Das ist etwas das, was man als ich anfing nur erstens älternes Randphänomen kannte.

00:11:41: Man wusste von Missbildungen und Hirntumoren als Ursachen.

00:11:45: Man ahnte dass es Genetik gibt, das ist vielleicht der andere große Teil den kann ich auch noch erwähnen gleich aber man hatte nur sehr wenige Beispiele von Entzündung im Gehirn die Anfälle auslösen und Epilebsien auslösen.

00:12:00: Und da hatte ich das große Glück, dass meine erste Patientin, die ich in Bonn aufgenommen habe am dritten Tag meiner beruflichen Tätigkeit eine solche Erkrankung hatte.

00:12:10: Damals wusste man davon nichts und es war die interessante Beobachtung, dass sie eine Schwellung hatte im Schläfenlappen und man dachte, der hat einen Tumor, der muss operiert werden.

00:12:21: Dann haben wir uns noch mal vor der OP ins MRT gelegt und dann war das auch immer kleiner geworden.

00:12:26: Und so was gibt's eigentlich?

00:12:27: ja nicht, ne?

00:12:27: Also Tumors wird nie kleiner.

00:12:30: Welche Krankheit wird denn besser, wenn man ein bisschen wartet?

00:12:33: Und das sind eigentlich Entzündungen die abklingen können.

00:12:36: Dann haben wir versucht rauszufinden was war das?

00:12:38: da gab es einzelne Beispiele um.

00:12:41: einen Chef sagte zu mir bei der Visite die danach stattfand Herr Bienen das ist ihr Forschungsthema.

00:12:48: Ich habe später mitbekommen dass er solche Sätze bis zu zwanzig wann am Tag gegenüber vielen Mitarbeitern geäußert hat,

00:12:55: aber sie waren festgelegt.

00:12:57: Aber ich habe das für sehrbare Münzen gemacht und es war auch so.

00:13:00: Ich hab bis heute einen meiner Haupttätigkeitsschwerpunkte bei diesen Erkrankungen.

00:13:05: Und da haben wir so viel beigelernt.

00:13:06: Wir können heute ohne Operationen oder ohne Probe aus dem Gehirn am Blutserum oder am Nervenwasser Antikörper feststellen die solche Diagnosen ermöglichen.

00:13:17: Die kann man dann mit Cortison anfallsfrei machen.

00:13:19: Das sind großartige Entwicklungen.

00:13:21: dass sie eine große Sache, die entzündlichen Epilepsien sind erkennbar und behandelbar geworden.

00:13:26: Jetzt ist vorhin in einem ihrer Sätze auch angeklungen von dem Beispiel des Patienten, wo Sie die Operation durchgeführt haben das Sie gesagt haben der ist lange ja schon bei Ihnen gewesen auf den Kindheit bis achtzehn und ja, so ein Maxonalter,

00:13:40: d.h.,

00:13:40: es klingt durch Sie begleiten Patientinnen, Patienten und Ihre Angehörigen und Zugehörigen einen enorm langen Wegstreck haben.

00:13:48: Ist das auch ein bisschen typisch für die Erkrankungen, weil sie eben eine chronifizierte Anerkrankung ist und man geht so ein Stück Wegschacke miteinander?

00:13:54: Und wie würden Sie es beschreiben?

00:13:55: Sind Sie für Patienten und ihre Angehörigen auch ein Stück natürliche Lebensbegleiter in die natürlich ja immer eine bestimmte Hoffnung gesetzt wird.

00:14:03: Wie erleben Sie das?

00:14:06: Ja... Das ist glaube ich typisch ...für die Epilepsologie.

00:14:11: aber nicht unbedingt typisch war eine Klinik für Epilepzologie.

00:14:16: Epilepsy ist ne kronische Erkrankung für viele Menschen Und es gibt Kliniken, die schauen, was können wir in einem Angang erfolgreich behandeln und was sich dem nicht fügt.

00:14:29: Das verschwindet wieder aus dem Dunstkreis der Klinik.

00:14:32: Da ist Betel anders.

00:14:33: Da sind auch überhaupt die diakonischen Epilepsie-Zentren, die aus den Neunzehnten Jahrhunderts stammen anders.

00:14:40: Und das habe ich eigentlich auch erst im Betel kennengelernt, dass man Patienten immer wieder aufnimmt – bei denen man weiß, dass sie nicht anfallsfrei werden.

00:14:50: Es gibt eine schöne Geschichte von einem Epileptologen an einen diakonischen Zentrum, und die hätte sich auch in Betel zutragen können.

00:14:58: Der jemanden betreute der von weit her kam immer und irgendwann dachte wir ändern gar nicht mehr sehr viel.

00:15:06: Er kann doch auch bei seinem Heimatnaden Neurologen diese wenigen Kontrollschritte machen und empfahl ihm das weil die Reise so lange ist.

00:15:15: Und nach einiger Zeit kam der wieder und sagte, ich möchte doch wieder zu dieser Szene jetzt anders.

00:15:20: Sachte er sie hören mir wenigstens zu.

00:15:25: Ich glaube das ist eine Haltung die man in den diakonischen Zentren findet selbst da wo man nicht heilen kann doch wenigstends zuzuhören und dadurch auch einen Schicksal erträglicher zu machen.

00:15:38: War Ihnen die Bedeutung Ihres Faches und Ihres speziellen Gebietes der Epilepsie für Betel eigentlich bewusst, als Sie hier hingekommen sind?

00:15:46: Also sind Sie in dem vollen Bewusstsein gekommen.

00:15:48: Mensch, Betel ist ja ein Ort, was es ja – wenn man's mal etwas verkürzt sagt – auch nur aufgrund der Epipelepsie gibt?

00:15:56: Ja das wusste ich!

00:15:57: Das weiß jeder Epileptologe, auch wenn man an einer Uniklinik ist, die eine ganz andere Tradition hat.

00:16:04: Und als ich im Jahr von Betel angesprochen wurde, da hatte ich gleichzeitig zwei andere Angebote.

00:16:11: Ich war auf Platz eins für das Epilepsiezentrum in Erlangen.

00:16:15: Das war eine W-II-Professur und ich hatte ein Angebot auf ne Assistenzprofessur in Oxford.

00:16:21: Und dann kam der Anruf aus Betle... Man würde sich für mich interessieren für die Nachfolge als Chefarzt und ich habe nicht lange überlegen müssen dass das die Stelle ist, die alle Wünsche erfüllt weil hier kann man Epilepsy in allen Situationen behandelt von Kindern bis alten Leuten, behinderte Menschen, geistig ganz fitte Leute.

00:16:43: Man kann operieren.

00:16:44: hier wird mehr operiert als an jeder anderen deutschen Klinik gegen Epilepsie.

00:16:50: man kann Jugendliche begleiten aus dem Schritt vom Kinder medizinischen zur Erwachsenerrologie.

00:16:59: Wir haben eine Reha es gibt die Station für psychogene Anfälle Also eine Psychotherapiestation, also das alles gibt es nur hier.

00:17:06: Diese Vollständigkeit ist einmalig und jeder weiß dass hier der Anfang der deutschen Epilepsologie liegt.

00:17:12: Deswegen war das für mich klar.

00:17:15: War die Entscheidung Erlangen-Oxford?

00:17:17: Klar bitte!

00:17:18: Ja

00:17:20: ich kann das nicht so sagen.

00:17:21: Ich musste nicht verhandeln, das war klar.

00:17:22: Und es ist etwas was für uns sehr selbstverständlich ist.

00:17:25: aber für die Höhrenhöhre ja nochmal dezidiert gesagt ein Unterschiedes.

00:17:29: eben das Besondere hier, dass Sie haben es gerade auch gesagt in einem Satz.

00:17:35: Dass sie nicht nur Patientinnen und Patienten behandeln die ausschließlich an einer Epilepsie leiden sondern sie panelen hier vor allem ja auch Menschen mit Behinderung, die eben auch an eine Epilepsy.

00:17:44: dann was macht das noch mal so besonders diese Patientengruppe zu begleiten?

00:17:49: Die vielleicht nicht die Ausdrucksmöglichkeiten hätten jetzt wie wir uns unterhalten würden.

00:17:55: also ich wäre jetzt ihr Patient Ich hätte den Epilebsi.

00:17:57: aber ich bin sozusagen so kognitiv, dass ich sage das ist jetzt vielleicht im normalbereich und körperlich auch.

00:18:05: Da können wir uns anders verständigen als sie es mit den Menschen mit einer geistigem, kognitivem Einschränkung oder so haben.

00:18:11: wie geht das?

00:18:13: Das ist wie immer behinderten.

00:18:14: Medizin macht mehr Arbeit braucht mehr Zeit braucht doch ein bisschen mehr Ressourcen.

00:18:20: vielleicht vor allem brauchst du mehr Geduld.

00:18:24: aber die haben wir hier in Betel und man lernt ja auch über die Jahrzehnte wie man dann trotzdem an die Informationen gelangt, die man braucht durch kranken Beobachtungen.

00:18:35: Durch eine gute Anamnese der Angehörigen, die die Kranken ja oft extrem gut kennen.

00:18:40: also ich glaube da finden wir immer Wege das raus zu bekommen was der Patient vielleicht selber nicht so gut artikulieren kann.

00:18:48: Gibt es etwas in ihrer Berufdausbahn wo sie sagen würden da habe ich etwas von Patienten und Patienten gelernt?

00:18:55: Also mal neben den medizinischen Dingen Natürlich darf entdecken und beobachten.

00:19:01: Ich glaube, das passiert ziemlich häufig, dass ich das denke.

00:19:05: Vielleicht am meisten immer dann mit Patienten zu verstehen geben, dass sie akzeptieren können eine Krankheit zu haben die man nicht heilen kann.

00:19:19: In Grunde wünschen wir modernen Mediziner uns ja im Stillen immer solche Ärzte sein wie die Unfallchirurgen ein Problem vollständig und dauerhaft beheben sodass der Kranke anschließend wieder so gesundes wie er immer war.

00:19:34: Das ist ja mehr oder weniger ausgesprochen, dass das Gesellschaft von uns ein bisschen erwartet und was wir auch immer erhoffen.

00:19:41: Aber wenn man ehrlich ist, gilt es nur für ganz wenige krankhafte Zustände die meistens in eine Unfallchirurgie landen.

00:19:48: Es gibt ein paar Krebserkrankungen, die man behandeln kann aber es sind nur wenige.

00:19:53: Und in der Epilepsie ist eigentlich das Leitmotiv bis auf die wenigen Fälle von der Gesamtzahl der Fälle, die man dann doch operativ anwärtsfrei bekommt.

00:20:05: Aber verstehen das Krankheiten zum Leben gehören und man auch das annehmen kann?

00:20:12: Das ist vielleicht die beste Lektion... gegen den Versuch immer alles selbst zu optimieren.

00:20:19: Ist das vielleicht auch was, wohin mindestens die Chance eines diakonischen Hauses besteht ohne sagen zu wollen dass wir das immer besser können aber aufgrund unserer Geschichte und dem was uns in unserem Grundgedanken ausmacht?

00:20:33: zu vermitteln, so sagen ja wir wissen eben das Leid zum Leben gehört.

00:20:37: Kein Gegenteil des Lebens ist wobei jetzt auch nicht will jetzt sich jede Krankheit als absolut leidvoll bezeichnen und dass wäre ja auch verkürzt.

00:20:44: Aber sozusagen Krankheit ist ein Teil des Lebens.

00:20:47: Wir erfüllen das nicht immer mit Sinn aber wir können es gestalten und damit umgehen.

00:20:51: Ich glaube ja, ich glaube dass das eine der großen starken diakonische Zentren ist

00:20:58: Weil wir vorhin noch ein bisschen über das Gehirn gesprochen haben und die Epilepsie in wesentlich mit diesem Organ zusammenhängt.

00:21:07: Die Frage jetzt kommt ja gerade viel aktuell, dass Thema des künstlichen Gehirns oder eher der künstliche Intelligenz ist?

00:21:14: Ist das ein Thema was sie ... mit entscheidenden Schritten auch rechnen, wenn wir noch mal so in den Steps gucken was wird zu Entscheidendes passieren.

00:21:23: Rechnen Sie damit das KI etwas ist?

00:21:25: Was sie Ihnen in der Behandlung da in Epilepsie irgendwie weitere Fortschritte bringen wird oder ist das bei Ihnen gar nicht so ein Thema?

00:21:33: Doch die KI wird uns viele Arbeitsschritte erleichtern.

00:21:37: Das ist ein tolles Werkzeug für manche Aufgaben, die sonst zeitraubend sind und dann die erstmütend sind.

00:21:42: riesige Akten von Krankengeschichten durcharbeiten.

00:21:46: Darauf arbeiten wir jetzt hin, im Moment ist das noch nicht möglich wegen des Datenschutzes und der Tatsache dass die gegenwärtigen KI's ja alle über Clouds funktionieren, die nicht ganz so sicher sind wie wir das erwarten.

00:21:58: aber wenn wir mal eigene Server haben diese Leistungsfähigkeit haben.

00:22:02: dann kann man auch dicke Akten darauf durchforsten lassen ob Medikament XY schon mal eingesetzt wurde.

00:22:08: und es muss nicht ein armer Arzt da Seite für Seite umblättern und dann fällt ihm ein, dass er das andere auch noch wissen wollte.

00:22:14: Und fängt wieder vorne an zu lesen.

00:22:16: Also da wird die KI uns total helfen.

00:22:19: Die KI hilft uns jetzt schon bei der Analyse von MRTs also Hirnwildgebung.

00:22:23: findet sie Abweichungen von einem Normen-Stichprobe Elektroencephalographie, die Hirnströme Das Auszuwerten kostet viel Zeit kann die KI einem auch sehr helfen.

00:22:35: Zeitsparen also ermüdende Routinearbeit kann seinem abnehmen bei uns genauso passieren wie im Rest der Welt.

00:22:44: Ob das ein fundamentaler Unterschied ist, weiß ich noch nicht.

00:22:49: Aber eine Arbeitserleichterung ist wie elektrischer Strom und Dampfmaschine klar.

00:22:54: Als für Sie eigentlich jemandes eine Alternative zu dem Berufsbild des Arztes gegeben?

00:22:58: Das heißt wenn sie jetzt heute nicht als Professor Bien vor mir sitzen würden was wären Sie denn anstatt geworden, wenn es das geboten gegeben hat?

00:23:07: Ich hatte eine ganz andere Planung, als ich von der Schule ging.

00:23:10: Ich wollte sowas studieren wie Philosophie, griechisch und Latein oder so was.

00:23:16: Das habe ich immer so das gern gemacht.

00:23:18: Und dann gab es bei uns ja noch Wehrdienst- oder Zivildienst.

00:23:21: Ich hab Zivildiens gemacht... ...und bin ein diakonisches Krankenhaus geraten in Tübingen.

00:23:27: Das Paul Lechler Krankenhaus.

00:23:29: Dass er hauptsächlich palliativ Medizin meistens für alte Menschen gemacht hat.

00:23:37: Das hat mein Bild auf die Welt verändert und ich habe etwas erlebt, was mir später ein Oberarzt mal so erklärt er deshalb.

00:23:46: Wenn du – da war ich dann nochmal unsicher geworden in meinen ersten Monaten als Pijotstudent – sagte wenn du oder wenn Sie Geisteswissenschaften machen, dann müssen sie sich jeden Morgen neu überlegen, was wollen wir eigentlich tun?

00:23:59: Was wollen Sie ja nicht machen?

00:24:00: Wenn Sie Arzt werden kommen das auf die Station, die Aufgaben kommen aus dir zu!

00:24:03: Da ist gar nicht die Frage.

00:24:05: Und das hat mir sehr gefallen, diese Idee dass die Aufgaben auf mich zukommen und es hat sich auch bestätigt ich muss mir nie überlegen was ist jetzt dran?

00:24:12: Es ist eine Überfülle an Aufgaben und da war ich dann sehr froh die Idee zu kriegen und habe dann eine Berufsberatung noch aufgesucht, da habt ihr das auch nochmal vorgelegt ob ich geisteswissenschaftliche oder medizin und hat der berufsberater eine professionelle Fassung verloren gesagt wie bitte Da gibt es immer eine heizige Möglichkeit.

00:24:32: Sie müssen Medizin studieren.

00:24:34: und dann habe ich mich gefügt, aber auch ist Überzeugung denn das war sehr schön da und sehr eindrücklich dass man auch für Menschen die sterben wie man nicht gesund macht trotzdem was besser machen kann.

00:24:46: Also ich kann den Rat, was die Geisteswissenschaft angeht, verstehen und hinzufügen.

00:24:51: Ich bin ja nun Geistes-Wissenschaftler geworden.

00:24:54: Es kommt wahrscheinlich ein bisschen auf die Funktion an.

00:24:56: Das ist bei mir morgens selten so, dass du nicht fragst, was mache ich heute den ganzen Tag?

00:25:00: Es finden sich Aufgaben aber in ihrem speziellen Kontext.

00:25:03: Wenn man sich auch philosophiekriechisch und latein ... Besonnen hätte, hätten Sie wahrscheinlich überlegen müssen welches Werk übersetze ich denn heute.

00:25:11: Aber ist es etwas was Sie ein bisschen als Leidenschaft behalten haben oder was gibt's?

00:25:14: Ist es sonst wenn sie mal die Zeit vergessen und jetzt nicht in die Klinik kommen was sie so fasziniert wo sie sagen da kann ich mich wunderbar mit beschäftigen?

00:25:24: Also

00:25:26: ich mach immer noch gerne Latein.

00:25:28: griechisch habe ich nie so gut gelernt wie latein Und Jetzt Haben Die Kinderbeitel Latein In der Schule und das eine super Gelegenheit auf verschiedenen Niveaus mit denen weiter dran zu bleiben und die auch zu motivieren.

00:25:40: Das mache ich weiterhin sehr gerne, aber Musik ist das andere große, große Hobby.

00:25:46: Ich habe Organspieler gelernt, ich bin nebendlicher Kirchenmusiker Aber da fehlt mir die Zeit zum üben Denn das ist ja nochmal aufwendiger als Klavier zu üben, dass kann ich Zuhause tun, das tue ich auch.

00:25:58: Ich singe im Chor.

00:26:00: Ich höre auch gern klassische Musik.

00:26:03: Also das sind Dinge, in denen ich wirklich Raum und Zeit vergessen kann.

00:26:08: Schön!

00:26:09: Sie haben von ja sehr eindrücklich noch mal besprochen gesagt wie das so ist Menschen in chronischen Krankheiten zu begleiten?

00:26:17: Und auch dieses Thema dieser vielleicht innere Wunsch die Menschen heilen zu können aber zur Epileptologie gehört irgendwie zu wissen Das ist keine Krankheit wenn es richtig verstanden die man heilt.

00:26:26: Aber man kann die Symptome so in Griff bekommen dass die menschen eine möglichst Kohr-Glebensqualität damit haben, wo möglich auch anfallsfrei

00:26:33: ist.

00:26:34: Würden Sie sagen ohne jetzt natürlich prophetisch sein zu können und genauso wenig wie sie sagen können, wie viel haben wir vom Hirn schon verstanden?

00:26:41: Aber gehen Sie davon aus nach allem was Sie heute wissen dass die Epilepsie doch mal vielleicht in fünfzig, sechzig Jahre Krankheit erst, wo es irgendwas dagegen gibt, wo man sagt das haben wir jetzt geschafft.

00:26:55: Man sollte nie so pessimistisch sein, zu sagen das kann es nicht geben.

00:27:01: Wahrscheinlicher ist aus meiner Sicht, dass es ein inkrementelles Wachstum ist bei dem sich die Kurve immer mehr verlangsamt sodass man sich dem vollständigen Ziel immer mehr annähert aber es vielleicht solange diese Erde steht nicht ganz erreichen wird.

00:27:15: Aber wer weiß?

00:27:16: Wir wissen nie was für fundamentale Einsichten noch gelingen und Anfallsgenese verhindern können.

00:27:22: Wer weiß

00:27:23: wenn sie einem Menschen, der so eine Diagnose bekommt.

00:27:28: Die ja in der Regel trotz all dem was möglich ist aber auch mit einer furchtende Angst verbunden es.

00:27:35: Wenn Sie dem vor soem Krankenhaus aufenthalt einen Satz mitgeben dürfen also dürfen sie ja sowieso immer.

00:27:43: Welcher ist das?

00:27:43: Was sagen Sie Patientinnen und Patienten die neu zu ihnen kommen im Bezug auf diesen Weg?

00:27:52: Sie haben bei der Erkrankung die lebensverändert ist und wir kennen diese Erkrankung.

00:27:59: Wir werden alles daran setzen, so genau wie möglich zu verstehen was bei ihnen passiert und ihnen dann das Therapiekonzelt vorschlagen dass am besten auf ihre Erkranke und auch auf ihre Lebenssituation passt.

00:28:13: Herr Professor Bin ich danke Ihnen ganz herzlich.

00:28:15: Die Zeit ist ziemlich schnell vorangespricht was für ein kurzweiliges Gespräch spricht.

00:28:20: mir ist es jedenfalls so gegangen.

00:28:21: schon Danke Ihnen dass Sie mich mitgenommen haben ein bisschen in ihrer Arbeitswelt und ihren Arbeitstag, von dem sie morgens erfreulich aber so sagen.

00:28:29: Da gehe ich doch jeden Morgen gerne hier, weil immer etwas Schönes geschieht.

00:28:33: Vielen Dank!

00:28:35: Das war der Podcast des evangelischen Klinikums Bekel.

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